Donnerstag, 26. August 2010
Nicht-Tun
Wenn das Tun eines Tuns der Aufrechterhaltung der Alltagswelt dient, so ist ein Nicht-Tun sein natürlicher Gegenspieler. Ein Nicht-Tun ist ein fremdartiges Element, mit dem wir den gewohnten Fluß der Wahrnehmung unserer Alltagswelt unterbrechen wollen. Der Fluß der Wahrnehmung verhält sich dabei nicht unähnlich den natürlichen Flüssen. Der unterbrochene Fluß staut sich zurück, er sammelt Kraft, um schließlich über die Ufer zu treten. Das Land, welches er dabei erobert, ist wirkliches Neuland. Noch nie hatte der Fluß dieses Land gesehen. Der Horizont seiner Wahrnehmung war durch die Ufer seines (selbst gegrabenen) Flußbettes beschränkt.
Mittwoch, 25. August 2010
Lehre und Praxis – Advaita und Atma Vichara
Advaita (Nicht-Zweiheit) zu erfahren, ist für den gewöhnlichen Menschen ohne spirituelle Übung kaum möglich. Übung ist daher notwendig. Die von Bhagavan Sri Ramana Maharshi als letztlich einzig wirksame Übung empfohlene ist atma vichara (Selbst-Erforschung). Atma vichara ist kein okkulter Pfad, es bedarf keiner rituellen Einweihung, jeder kann mit der Übung jetzt und hier beginnen. Auch wenn sie dem Neuling schwierig und abstrakt vorkommen mag, ist die von Bhagavan empfohlene Übung der Selbst-Erforschung weder schwierig noch abstrakt, sondern einfach und konkret.
Die Übung:
Ein beliebiger Gedanke wird zur Quelle seiner Entstehung zurückzuverfolgt, mit Hilfe der einfachen Fragenkette: ‘Wer hat diesen Gedanken – ich habe ihn – wer bin ich?’
Anfangs liegt die Schwierigkeit darin, dass man die Übung fälschlich als Denkvorgang versteht und sich bemüht, den eigenen Gedanken denkend zu seiner Quelle zurückzuverfolgen. Auf diese Weise hindert sich der Intellekt selbst daran, zu der vor seiner Entstehung liegenden Quelle zurückzugehen. Bhagavan hat dieses Problem mit dem Bild beschrieben: es ist, als ob der Dieb den Polizisten bittet, den Dieb zu fangen, der er ja selbst ist und sich nicht fangen lässt – ein scheinbar unlösbarer Teufelskreis. Aber die Lösung ist einfach: man muss den Gedanken zu seiner Quelle zurückverfolgen, ohne zu denken. Anfangs mag dies nicht recht gelingen, aber nach und nach wird man lernen, spürend – lauschend – wartend – ohne jede Denktätigkeit aber vollkommen bewusst, die Spur jedes Gedankens und des jedem Gedanken zugrunde liegenden ‘Ich’-Gedankens zu seiner Quelle zu begleiten. Andere Meditationstechniken können sehr hilfreich sein, den unruhigen Menschengeist zur Ruhe zu bringen, wie auch Bhagavan immer wieder bestätigte, Bhagavan wies aber stets darauf hin, dass nur atma vichara letztlich zum Ziel führt und dort beginnt, wo jede andere Technik endet. Bhagavan ermutigte die Suchenden und betonte stets, dass der Selbstzweifel das größte Hindernis auf dem spirituellen Weg sei. Bhagavans unbedingte Empfehlung ist, dem Zweifel keinerlei Raum zu geben, sondern sich sogleich zu fragen: ‘Wem kommt der Zweifel – mir – wer bin ich?’
Also nur Mut – Bhagavans Hilfe ist jedem ernsthaft Übenden gewiss!
Die Übung:
Ein beliebiger Gedanke wird zur Quelle seiner Entstehung zurückzuverfolgt, mit Hilfe der einfachen Fragenkette: ‘Wer hat diesen Gedanken – ich habe ihn – wer bin ich?’
Anfangs liegt die Schwierigkeit darin, dass man die Übung fälschlich als Denkvorgang versteht und sich bemüht, den eigenen Gedanken denkend zu seiner Quelle zurückzuverfolgen. Auf diese Weise hindert sich der Intellekt selbst daran, zu der vor seiner Entstehung liegenden Quelle zurückzugehen. Bhagavan hat dieses Problem mit dem Bild beschrieben: es ist, als ob der Dieb den Polizisten bittet, den Dieb zu fangen, der er ja selbst ist und sich nicht fangen lässt – ein scheinbar unlösbarer Teufelskreis. Aber die Lösung ist einfach: man muss den Gedanken zu seiner Quelle zurückverfolgen, ohne zu denken. Anfangs mag dies nicht recht gelingen, aber nach und nach wird man lernen, spürend – lauschend – wartend – ohne jede Denktätigkeit aber vollkommen bewusst, die Spur jedes Gedankens und des jedem Gedanken zugrunde liegenden ‘Ich’-Gedankens zu seiner Quelle zu begleiten. Andere Meditationstechniken können sehr hilfreich sein, den unruhigen Menschengeist zur Ruhe zu bringen, wie auch Bhagavan immer wieder bestätigte, Bhagavan wies aber stets darauf hin, dass nur atma vichara letztlich zum Ziel führt und dort beginnt, wo jede andere Technik endet. Bhagavan ermutigte die Suchenden und betonte stets, dass der Selbstzweifel das größte Hindernis auf dem spirituellen Weg sei. Bhagavans unbedingte Empfehlung ist, dem Zweifel keinerlei Raum zu geben, sondern sich sogleich zu fragen: ‘Wem kommt der Zweifel – mir – wer bin ich?’
Also nur Mut – Bhagavans Hilfe ist jedem ernsthaft Übenden gewiss!
Dienstag, 24. August 2010
Der Weise vom Arunachala
30. Dezember 1879 – 14. April 1950Seit Menschengedenken gibt es von Zeit zu Zeit überragende spirituelle Persönlichkeiten, die suchenden Menschen die höchste Wahrheit offenbaren. Bhagavan Sri Ramana Maharshi war eine solche Persönlichkeit. In einzigartiger Weise verkörperte er durch sein Leben die in der Selbsterkenntnis liegende tiefe Wahrheit, die vollständiges Einssein mit Gott bedeutet.
Der Weise vom Arunachala, wie er genannt wurde, sprach kaum und schrieb wenig. Er zog es vor, schweigend zu unterweisen, in einem Schweigen, das so machtvoll, tief und vollkommen war, dass es Geist und Gemüt der wahrhaft Suchenden unmittelbar befriedete.
In der unendlichen Stille seiner Gegenwart konnte man die Lehre von der Selbsterkenntnis in ihrer ganzen Tiefe direkt erfassen und verstehen. Zahllose Anhänger und Besucher erlebten in seiner Gegenwart die überwältigende Freude der Erfahrung des wahren Seins. Bis zum heutigen Tag machen Strebende, die sich Sri Ramana Maharshi und seiner Lehre zuwenden, dieselbe Erfahrung vollkommenen Glücks und Friedens.
Die Gnade Bhagavans ist an keinen bestimmten Ort gebunden und kann sicher überall erfahren werden, doch ist sie in seinem Ashram in Südindien am Fuße des heiligen Berges Arunachala, einem Berg, der seit Jahrtausenden Heilige und Weise anzieht, besonders spürbar.
Bhagavans Lehre von der ‘Selbst-Erforschung’ ist denkbar einfach. Es bedarf auf seiten des Strebenden keiner Veränderung der Lebensweise und auch sonst keiner Formalität, notwendig sind nichts als ein Wechsel des bisherigen Standpunkts und ein andauerndes inneres Sich-Bemühen. Das Ziel ist kein fernes Paradies oder Ideal, das Ziel ist (nur) der endgültige Abschied von einer falschen Sichtweise, die uns daran hindert zu erkennen, dass wir auf ewig eins sind mit der Quelle unseres Seins, dem Höchsten Selbst, Gott. Diese Erkenntnis ist hier und jetzt möglich.
Wer dem von Sri Ramana Maharshi gewiesenen Weg folgt, braucht Glauben und religiöse Bindung nicht aufzugeben; im Gegenteil: gleich welcher Religion sie angehören, erfahren viele der Anhänger Sri Ramana Maharshis in dem Glauben ihrer eigenen Tradition Führung und Bestärkung. Selbst-Erforschung bedeutet auch nicht die Aufgabe kultureller oder sozialer Bindungen. Der spirituelle Pfad erfordert nichts als aufrichtiges Streben. Hilfe und Gnade kommen von selbst.
Auf dem Sterbebett sagte Bhagavan Sri Ramana Maharshi zu seinen bekümmerten Anhängern: ‘Ihr sagt, dass ich jetzt fortgehe. Aber wohin kann ich gehen? Ich bin für immer hier. Ihr schenkt dem Körper zuviel Beachtung.’ Sein Versprechen, gegenwärtig zu bleiben, ist erfüllt, wie Tag für Tag zahllose Anhänger aus allen Teilen der Welt bestätigen. Und seine Gegenwart hat viele auf den Weg des Friedens und der Liebe geführt.
Montag, 23. August 2010
Hinweise auf DAS/ Ramana Maharshi - Gespräche des Weisen
FR: die welt ist materialistisch. wie kann man das ändern? M: ob materialistisch oder spirituell, das hängt von ihrem standpunkt ab. nehmen sie den richtigen standpunkt ein; der schöpfer wird sich um seine schöpfung kümmern. FR: wie kann man sich am besten der zukunft versichern? M: die zukunft resultiert aus der gegenwart, die zukunft sorgt für sich selbst. FR: die zukunft resultiert aus der gegenwart. was soll ich tun, um eine gute zukunft zu haben? oder soll ich mich still verhalten und garnichts tun? M: wer äußert diesen zweifel? wer sucht nach einer richtschnur für sein handeln? suchen sie den, dem die zweifel kommen! wenn sie ihn gefunden haben, werden die zweifel verschwinden. da sie den halt am selbst verloren haben, belästigen sie diese gedanken. wenn die welt gesehen wird, erheben sich zweifel und besorgnisse um die zukunft. halten sie am selbst fest, und all das wird verschwinden.
FR: wie macht man das? M: diese frage ist wichtig für die angelegenheiten des nicht-selbst, doch nicht für das selbst. zweifeln sie an der existenz ihres eigenen selbst? FR: nein. trotzdem möchte ich wissen, wie das selbst verwirklicht werden kann. gibt es dazu eine methode? M: BEMÜHEN SIE SICH! um an wasser zu kommen, muß man einen brunnen bohren. ähnlich wird das selbst durch nachforschen verwirklicht. FR: manch einem fällt es leicht, wasser zu finden; andere haben dabei große schwierigkeiten. M: aber die feuchtigkeit der erde verrät ihnen, daß wasser vorhanden ist. ebenso sind sie sich des selbstes bereits wage gewahr. ergründen sie ES! wenn das bemühen zum ziel geführt hat, wird es in seinem licht erstrahlen.
FR: wie bringt man den geist dazu, nach innen zu schauen? M: durch beständige übung. der geist ist intelligenz, die zu ihrer eigenen auflösung führt. dann wird das selbst offenbar. FR: wie löst man den geist auf? M: man kann wasser nur durch bohren finden. so müssen sie auch das selbst suchen. DABEI WIRD DER GEIST AUFGELÖST!
Ramana Maharshi – Gespräche des Weisen
Sonntag, 22. August 2010
Don Juan Matus Geschichte
Laut Castaneda war Don Juan Matus sein Lehrer, wobei Kritiker stark davon ausgehen, dass es sich bei der Person um eine literarische Figur handelt . Castaneda führt Don Juan Matus als letzten Seher einer alten mexikanischen Tradition von Weisen und Sehern ein, der den Indianern des Yaqui-Stammes angehört. Carlos Castaneda wurde sein Nachfolger, war aber nicht dazu fähig, die indianische Tradition fortzuführen. Don Juan war selbst Nagual eines Zugs von Sehern, zu denen unter anderem Don Genaro, ebenfalls ein Yaqui-Indianer, gehörte. Der Zug ist unterteilt in s.g. Träumer, Pirscher und andere. Don Juan lehrte Carlos die Kunst des Pirschens, die Eigenschaften eines Kriegers, die Kunst des Sehens und die des Träumens. Eine seine Hauptmethoden ist “das Anhalten der Welt”, was ein beständiges Anhalten des inneren Dialogs, also das ständige “mit sich selbst reden” (ob bewusst oder unbewusst), voraussetzt. Erst wenn die Phasen des vollständigen Anhaltens des inneren Dialogs eine gewisse “kritische Grenze” erreicht haben ist es möglich, die Welt so zu sehen, wie sie ist, also die Wirklichkeit wahrzunehmen. Wer die Bücher Castanedas kennt, wird vermutlich früher oder später über Zen stolpern. Vieles was Don Juan Matus in den Büchern von sich gibt, findet sich ähnlich im buddhistischen Zen und ebenso in den Tao-Lehren wieder. Hier ein kurzes Beispiel von Zen Ausspüchen (Sosan) Wenn unser Geist Ruhe findet, verschwindet er von selbst.
Oder:
Suche nicht nach der Wahrheit, höre nur auf, Meinungen zu hegen. Verharre nicht in dualistischen Anschauungen, sei achtsam und folge ihnen nicht.
Im Zen werden die Dinge, die Don Juan Matus lehrt für westliche Menschen auf den Punkt gebracht. Don Juan Matus, ein Schamane, kommt aus seiner Indianischen Kultur und hat zwangsläufig andere Erfahrungen als ein Asiat, der in der Zen Kultur heranreift. Das sollte dabei berücksichtigt werden. Die Grundanschauung des Lebens ist aber die gleiche.
Was alle Schamanen, Zen Meister, Mystiker (christliche, jüdische, islamische, hinduistische, buddhistische, sikh ect.) im Grunde mit solchen Geschichten sagen möchten ist: Es gibt keine absolute Wahrheit, daher führt unser ständiges Denken (Nachdenken, Grübeln) oft nur zu noch mehr Unzufriedenheit und auch oft zu Übel (siehe Karma, Dukkha/Leiden). Unsere alten Sichtweisen und Konditionierungen sind also das, was unser Leben zermürbt. Freiheit davon ist das Ziel.
Die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist – diese Fähigkeit kann man aus Buddhas (Shakyamuni) Sicht mit Vipassana Meditation erreichen. Vipassana bedeutet – die Welt sehen, wie sie wirklich ist.
Osho hat diese Dinge sehr klar in seinen Büchern beschrieben. Es gibt keinen Dogmatismus – keine Lehre oder Lehrmeinungen außer einer – Freiheit, Leere, Unendlichkeit. Der Weg ist das Ziel – hier und jetzt.
Oder:
Suche nicht nach der Wahrheit, höre nur auf, Meinungen zu hegen. Verharre nicht in dualistischen Anschauungen, sei achtsam und folge ihnen nicht.
Im Zen werden die Dinge, die Don Juan Matus lehrt für westliche Menschen auf den Punkt gebracht. Don Juan Matus, ein Schamane, kommt aus seiner Indianischen Kultur und hat zwangsläufig andere Erfahrungen als ein Asiat, der in der Zen Kultur heranreift. Das sollte dabei berücksichtigt werden. Die Grundanschauung des Lebens ist aber die gleiche.
Was alle Schamanen, Zen Meister, Mystiker (christliche, jüdische, islamische, hinduistische, buddhistische, sikh ect.) im Grunde mit solchen Geschichten sagen möchten ist: Es gibt keine absolute Wahrheit, daher führt unser ständiges Denken (Nachdenken, Grübeln) oft nur zu noch mehr Unzufriedenheit und auch oft zu Übel (siehe Karma, Dukkha/Leiden). Unsere alten Sichtweisen und Konditionierungen sind also das, was unser Leben zermürbt. Freiheit davon ist das Ziel.
Die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist – diese Fähigkeit kann man aus Buddhas (Shakyamuni) Sicht mit Vipassana Meditation erreichen. Vipassana bedeutet – die Welt sehen, wie sie wirklich ist.
Osho hat diese Dinge sehr klar in seinen Büchern beschrieben. Es gibt keinen Dogmatismus – keine Lehre oder Lehrmeinungen außer einer – Freiheit, Leere, Unendlichkeit. Der Weg ist das Ziel – hier und jetzt.
Samstag, 21. August 2010
Carlos Castanedas Werk: Lehren des Don Juan Matus
Eine Aussage, die hinter den Lehren des Don Juan (also hinter Castanedas Werken) steht, lautet: Der Mensch und die Welt, die ihn umgibt, ist das größte Mysterium, und nur wer den Weg des Herzens geht (also immer seinem Herzen folgt), kann den Weg des Kriegers beschreiten, sein Bewusstsein erweitern und seine Lebensenergie besser und sinnvoller ausnutzen. Laut Castaneda wurde dieses Wissen von den Schamanen/Zauberern aus dem präkolumbianischen Mexiko überliefert. Durch diese von Castaneda weiter vermittelte Weisheit um das menschliche Bewusstsein und das Bewusstsein im Allgemeinen erfährt der Mensch die Veränderung und Erlösung von all seinem Leid und Schmerz. Dies geschieht, wenn er eine Lebensweise annimmt, die als Weg des Herzens oder Weg des Kriegers bezeichnet wird, wobei diese Lebensweise oberflächlich betrachtet ähnliches erreichen möchte wie der Zen-Buddhismus, bspw. das Anhalten des Inneren Dialogs. Das Kriegertum (Die Kunst des Kriegers), eine Kunst die “nichts mit Akten kollektiver Dummheit zu tun hat”, gründet in der persöhnlichen Auseinandersetzung mit sich selbst. Castaneda gibt an, das sie ursprünglich von den Tolteken(= die Wissenden) entwickelt wurde. Mit den Jahrhunderten reifte dieses Wissen (ausschließlich durch mündliche Überlieferung) und passte sich den veränderten Lebensbedingungen der Menschen an. Der Weg des Kriegers ist als Selbstfindungsweg zu verstehen. Auf diesem Pfad hat man es mit vier immer stärker werdenden Gegnern zu tun: der Angst, der Macht, der Klarheit und dem Alter. Soziale Abgeschiedenheit des Kriegers, sowie die Schwächung der Allmacht des Egos sind in dieser Lehre die Grundvoraussetzungen für das erfolgreiche Beschreiten des Kriegerpfades. Ein zentraler Inhalt bei Castaneda ist das Prinzip des Montagepunktes (Orig. Assemblage Point). Demnach hat jeder Mensch, jedes Lebewesen einen Energiekörper (siehe auch Aura und Astralkörper). In dieser Hülle (Orig. Cocon) befinde sich der Montagepunkt, der angeblich je nach seiner Lage unterschiedliche Bänder (bzw. Bandbreiten) der Wahrnehmung verarbeiten soll. Ziel der Lehren und der Zauberei ist es, diesen Montagepunkt, der die erlebte Wirklichkeit generiert, zu fokussieren und bewusst zu verschieben. Dadurch gelangt man aus dem Alltagsbewusstsein, der ersten Aufmerksamkeit (Tonal) in eine weitere Wahrnehmungsebene (Nagual), die s.g. zweite Aufmerksamkeit (Analogie zur Erleuchtung im Buddhismus). Kindern falle es aufgrund ihrer noch ungefestigten Sozialisation leichter den Montagepunkt zu verschieben, Erwachsene hätten es bereits deutlich schwerer oder seien hierzu kaum noch in der Lage. Nur “in Träumen, durch Alkohol oder Drogen, durch schwere (fiebrige) Krankheit oder in extremen Situationen wie etwa in Kriegssituationen” könnten Erwachsene eine Verschiebung ihres Montagepunktes wahrnehmen. Laut Castaneda kann man durch das Nagual mit anderen Lebensformen, bis hin zu s.g. anorganischen Wesen Kontakt aufnehmen, mit ihnen kommunizieren und sie sogar als persönliche Verbündete gewinnen. Es werden zwei Techniken der Zauberei benannt und unterschieden: das Träumen und das Pirschen. Beim Träumen geht es darum, den Montagepunkt in bestimmte Positionen zu bringen. In diesem Zusammenhang stellt Castaneda auch einige Techniken vor, die an das Klarträumen erinnern. Um auf diesem Weg weiterzukommen, muss man mehrere (bis zu 7) Pforten (Ebenen des Träumens) durchschreiten, indem man im Traum gezielt und bewusst handelt. Beim s.g. Pirschen hingegen geht es darum, den Montagepunkt im Wachzustand in der Alltagswelt an einer beliebigen Stelle zu fixieren. Hier sind insbesondere Praktiken wichtig, die den inneren Dialog anhalten können. Der ‚Weg des Kriegers‘ wird der Titelfigur vor allem in Castanedas ersten beiden Büchern durch sokratische Gespräche, Zauberei und gelegentlichen Konsum der Drogen Peyote, Jimson Weed (Datura stramonium) und dem Kleinen Rauch (Humito – einer in einer Pfeife zu rauchenden Mischung aus psylocibinhaltingen Pilzen und schimmeligen Blüten) vermittelt. (Siehe auch Visionen, Modellpsychose) Zweckorientierter Drogenkonsum zur Bewusstseinserweiterung, sowie das damit verbundene Beschreiten des mystisch-magischen Selbstfindungsweges, trugen Ende der 60er Jahre zur Popularität der Werke bei. Damit traf Castaneda genau die Bedürfnisse der damaligen Zeit. Drogen spielten später keine Rolle mehr, um das Bewusstsein der Titelfigur für einen größeren Raum zu öffnen. Durch (geschilderte) Erlebnisse von großer Klarheit und Intensität haben Don Juan Matus und Don Genaro Castaneda immer wieder dazu gezwungen, bereits eingesessene Denkmuster aufzugeben und von seiner durch seine Sozialisation geprägten Weltauffassung abzukehren. Castaneda hält den Lebenszyklus für einen ständigen, gefährlichen, zu wenig beachteten aber auch notwendigen Kreislauf, aus dem es zu lernen gilt (der Tod als Berater). In diesem Kreislauf (siehe auch Samsara) befindet sich die ganze Menschheit seit Ewigkeiten. Als praktischen Ausweg bzw. Alternative bietet Castaneda das Kriegertum an. Die Lehre des Don Juan Matus kann als mystische Welterklärung aus verschiedenen mittel- und südamerikanischen Quellen verknüpft mit einigen Elementen der modernen Westlichen sowie traditioneller Fernöstlicher Philosophie gedeutet werden. Es wurde Anfangs dem mittelamerikanischem Schamanismus zugeordnet, jedoch findet es heute keinen gültigen Halt in der wissenschaftlichen Anthropologie.
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