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Namasté

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Dienstag, 7. Februar 2012

Pure Intelligenz




Samarpan: „Es gibt da einen großen Unterschied zwischen Intellekt und Intelligenz.  Intellekt ist bitter.  Intellekt ist argumentativ. Intellekt ist skeptisch.  Intelligenz ist etwas völlig anderes.  Im Grunde ist es Liebe. Es ist nicht negativ. Es ist ein JA sagen. Es ist affirmativ. Es ist positiv. Intellekt ist negativ. Es ist NEIN sagen. Die grundlegende Struktur von Intellekt ist Nein. Und parallel dazu ist die grundlegende Struktur von Intelligenz Ja.  Intelligenz ist ein heiliges Ja zur Existenz und zu allem was die Existenz mit einschließt.  Es ist im Wesentlichen religiös.  Es ist intuitiv, nicht logisch, nicht argumentativ. Intelligenz ist eine Einsicht.  Es ist kein Prozess.  Man kann sie nicht lernen.  Es gibt also kein College, keine Schule, keine Universität die sie dir geben kann.  Sie können deinen Intellekt ausbilden und leider haben sie damit auch Erfolg und haben den Intellekt von allen auf der Welt ausgebildet.
Intelligenz kann nur hervorgerufen werden, nicht beigebracht.  Intelligenz steigt aus Stille auf, aus völliger Ruhe.  Es steigt aus deinem Alleinsein auf. Es geht dabei auch nicht um Informationen.  Du bist damit geboren, es muss nur hervorgerufen werden- entdeckt- sie ist da. Intellekt kommt vom Kopf. Intelligenz kommt von Herzen. Intellekt ist männlich, Intelligenz ist weiblich.  Es ist reine weibliche Energie.  Und alles Großartige geschieht durch Intelligenz.  Intelligenz ist der Meister. Wenn die Intelligenz einmal aufsteigt, dann wird der Intellekt sofort zum Sklaven. Dann ist er ein wunderschöner Sklave. Als Meister ist er sehr gefährlich. Als Sklave ist er perfekt. Wenn dein Intellekt beginnt deiner Intuition zu dienen, dann ist dein Leben kein Konflikt mehr.  Dann wird es zur Harmonie und eine wunderbare Süße verbreitet sich in deiner ganzen Existenz. „
Quelle: Satsang mit Samarpan, 15.05.2010

Freitag, 10. Juni 2011

Die Botschaft erkennen:

Ein Reisender kam in ein Kloster, um den Meister zu hören. Nach einer Weile sprach er zu einem der anderen Schüler: "Ich bin weit gereist, um dem Meister zuzuhören. Aber jetzt, wo ich ihn höre, finde ich seine Worte ganz gewöhnlich. "Der Schüler antwortete: "Höre nicht auf seine Worte. Höre auf seine Botschaft.""Und wie macht man das?""Halte dich an einen Satz, den er sagt. Schüttle ihn dann gut durch, bis alle Wörter herausfallen. Was übrig bleibt, wird dein Herz entflammen."
 

Samstag, 30. Oktober 2010

Wellen

Eine kleine Welle erhob sich aus dem Meer,
dem Ozean.
Da sie sich erhob konnte sie die anderen Wellen sehen.
Sie meinte, etwas Besonderes zu sein ;
"ich bin groß, ich bin größer als die anderen,
so kräftig, so wohlgeformt, so schön. "
Da begann ihre Probleme - wenn sie nun zusammenfiele !"

Nebenan war eine andere Welle, sie erhob sich nicht so hoch
und sah zu den anderen hinauf.
Sie meinte etwas Besonderes zu sein
"ich bin so klein, ich bin kleiner als die anderen,
so flach, so kraftlos, so unbedeutend "
Da begann ihre Probleme - wenn sie nun von den anderen erdrückt würde ! "

UND SIE FIELEN BEIDE ZUSAMMEN
UND WURDEN WIEDER EINS MIT DEM OZEAN

Freitag, 13. August 2010

Meditation für den Tag: Die Vergangenheit loslassen

Fasse Mut – deine Reise hat bereits begonnen. Selbst wenn du zurückgehst, wirst du das alte Ufer des Flusses nicht mehr vorfinden. Selbst wenn du zurückgehst, wird dir dein altes Spielzeug nicht mehr helfen. Du hast damit abgeschlossen, und du weißt, dass es nur Spielzeug ist. Jetzt muss das Wahre gefunden werden; das, was wirklich ist, muss erforscht werden. Und es ist nicht weit fort; es ist in dir.


„Lass die Toten ihre Toten begraben…“
 
Bei einem Menschen, der sein Leben an der Vergangenheit orientiert, muss irgendwann ein Gefühl von Langeweile, Sinnlosigkeit und auch eine gewisse Angst aufkommen: Was tue ich hier eigentlich? Warum lebe ich weiter? Was bringt schon das Morgen? Eine Wiederholung des Heute. Und was das Heute brachte, war eine Wiederholung des Gestern.“ Also was soll es? Warum schleppt man sich von der Wiege bis zum Grab immer im selben Trott?

Das mag für Büffel und Esel absolut gut sein, denn sie haben keine Erinnerung an die Vergangenheit und keine Vorstellung von der Zukunft. Ihnen ist nicht langweilig, weil man für Langeweile ein gewisses Bewusstsein braucht. Dieses Bewusstsein weiß, dass du es vorher schon getan hast, dass du es jetzt tust und morgen auch wieder tun wirst. Denn du bewegst dich nicht fort von der Vergangenheit; du lässt sie nicht sterben, sondern hältst sie am Leben. Dies ist das Dilemma, vor dem jeder Mensch im Leben steht, und es kann nur gelöst werden, wenn man die Vergangenheit sterben lässt.

Es gibt eine schöne Geschichte aus dem Leben Jesu: Er kommt frühmorgens an einen See. Die Sonne ist noch nicht aufgegangen, und ein Fischer wirft gerade sein Netz im See aus. Jesus legt ihm die Hand auf die Schulter und sagt: „Wie lange willst du das noch machen? Tagtäglich – morgens, mittags, abends – nur Fische fangen? Meinst du, das ist alles, was das Leben mit dir vorhat?“
Der Fischer erwiderte: „Das habe ich mir noch nie überlegt, aber da du nun die Frage aufgeworfen hast, kann ich einsehen, dass es auch noch etwas anderes im Leben geben muss.“

Jesus sagt: „Wenn du mit mir mitkommst, werde ich dich lehren, Menschen zu fangen, anstatt Fische zu fangen.“ Der Mann schaute Jesus in die Augen – so tief, so aufrichtig und so voller Liebe, dass es keinen Zweifel an diesem Mann geben konnte. Und er war von einer so tiefen Stille umgeben, dass er diesem Mann nicht Nein sagen konnte. Der Fischer warf sein Netz ins Wasser und folgte Jesus nach.

Als sie die Stadt verließen, kam ein Mann angelaufen und rief dem Fischer zu: „Dein Vater, der so lange krank war, ist gerade gestorben. Komm nach Hause!“

Der Fischer bat Jesus: „Gib mir drei Tage Zeit, damit ich ihm die letzte Ehre erweisen kann, wie es von einem Sohn erwartet wird, wenn der Vater stirbt.“ Und nun kommt der Ausspruch, an den ich euch erinnern möchte. Jesus sagte zu dem Fischer: „Lass die Toten ihre Toten begraben. Komm du mit mir.“

Was meint er? „Die ganze Stadt ist voll mit Toten; sie werden es schaffen, deinen toten Vater unter die Erde zu bringen. Du wirst da nicht gebraucht. Komm du mit mir.“

Jeden Moment stirbt etwas. Sei kein Antiquitätensammler. Lass das, was tot ist, hinter dir. Geh mit dem Leben, fließe mit dem Leben, mit deiner Totalität und Intensität, und du wirst nie vor einem Dilemma stehen, nie ein Problem haben.

Montag, 9. August 2010

Meditation für den Tag: Verwandlung

Schmerz ist natürlich; man muss ihn verstehen, man muss ihn annehmen. Denn natürlich haben wir Angst vor dem Schmerz, natürlich wollen wir ihn vermeiden. Deshalb vermeiden es so viele Menschen, ihr Herz zu spüren und leben stattdessen im Kopf.
Das Herz verursacht Schmerzen, das stimmt, aber nur weil es auch Freude verursacht, deshalb kann es einem Schmerzen machen. Schmerz ist der Weg, auf dem auch Freude kommt; Agonie ist das Tor, durch das auch Ekstase kommt. Wenn man sich dessen bewusst ist, nimmt man Schmerz als einen Segen an. Dann beginnt sich der Schmerz sofort zu verwandeln. Du kämpfst nicht mehr dagegen an. Dann ist es kein Schmerz mehr; er wird zum Freund. Er ist ein Feuer, das dich reinigt. Er bewirkt eine Verwandlung, einen Vorgang, in dem das Alte geht und das Neue kommt, in dem Denken verschwindet und das Herz ganz und gar in Funktion tritt. Dann ist Leben ein Segen.


Atishas Herz-Meditation

Probiere diese Methode des Atisha aus:
Wenn du einatmest – pass genau auf, denn es ist eine der großartigsten Methoden – beim Einatmen stell dir vor, dass du alles Unglück aller Menschen auf der Welt einatmest. Alle Dunkelheit, alle Negativität, jede nur erdenkliche Hölle, die irgendwo auf der Welt existiert – du atmest alles ein! Und dann lass dein Herz es aufnehmen.

Vielleicht hast du schon von dem sogenannten „positiven Denken“ im Westen gehört oder gelesen. Diese Leute vertreten genau das Gegenteil. Sie wissen nicht, was sie da sagen. Sie sagen, ma
n soll alles Unglück und alle Negativität ausatmen. Und beim Einatmen soll man Freude, Positivität, Glück und Fröhlichkeit einatmen. Atishas Methode ist genau umgekehrt: Beim Einatmen atme alles Unglück und Leiden aller Lebewesen auf der Welt der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ein. Und beim Ausatmen atme alle Freude aus, die du hast, alle Seligkeit, die du hast, alles Gute, was du hast.

Atme aus und überschütte die Existenz. Das ist die Methode des Mitgefühls: Sauge alles Leiden auf, nimm es in dir auf, und dann lasse allen Segen hinausströmen. Du wirst staunen, wenn du das tust. In dem Moment, in dem du alles Leiden der Welt in dir aufnimmst, ist es kein Leiden mehr. Das Herz verwandelt die Energie unmittelbar. Das Herz ist die transformierende Kraft. Trinke das Unglück in dich hinein, und es verwandelt sich in Seligkeit – dann verströme diese nach draußen. Wer einmal erfahren hat, dass das Herz diese magische Kraft hat, dass es dieses Wunder vollbringen kann, der will es immer wieder tun.

Probiere es aus. Es ist eine der praktischsten Methoden, ganz einfach, und sie wirkt sofort. Mache sie gleich heute und sieh, was sie bewirkt. Dies ist eine Sichtweise Buddhas und all seiner Jünger. Atisha ist einer seiner Jünger. Er gehört derselben Linie an, derselben Tradition. Buddha sagt seinen Jüngern immer wieder: „Ihi passiko – Kommt und seht selbst.“ Sie gehen sehr wissenschaftlich vor. Der Buddhismus ist eine der wissenschaftlichsten Religionen auf der Erde, und der Buddhismus gewinnt heute immer mehr an Boden in der Welt.

Je intelligenter die Welt wird, desto wichtiger wird Buddha. Es muss so sein. Da immer mehr Menschen lernen wissenschaftlich zu denken, wird Buddha immer anziehender. Er kann den wissenschaftlichen Geist überzeugen, denn er sagt: „Alles, was ich sage, kann geübt werden. Ich sage nicht, ihr sollt es glauben, sondern ich sage: ,Experimentiert damit, erfahrt es selber.’ Und erst wenn ihr es selbst spürt, dann habt Vertrauen dazu. Ansonsten braucht man nichts zu glauben.“

Probiere diese wunderbare Methode des Mitgefühls aus. Nimm alles Unglück in dir auf, und lass alle Freude aus dir heraus fließen.

Mittwoch, 28. Juli 2010

Meditation für den Tag: Wunschdenken

Der Denker ist mit seinen Gedanken schöpferisch. Das ist eine grundsätzliche Wahrheit, die verstanden werden muss. Alles, was du erlebst, ist deine eigene Schöpfung. Zuerst erschaffst du etwas, dann erfährst du es und dann verstrickst du dich in der Erfahrung, weil dir nicht klar ist, dass der Ursprung von allem in dir selbst ist.
 
 
 Das Gleichnis vom Wunschbaum
 
Einst geriet ein Mann auf seinen Reisen zufällig ins Paradies. In der indischen Vorstellung gibt es im Paradies die Kalpatarus, das sind Bäume, die Wünsche erfüllen. Man sitzt darunter und wünscht sich etwas, und umgehend wird der Wunsch erfüllt – ohne Pause zwischen dem Wunsch und seiner Erfüllung. Du denkst an etwas, und sofort wird es zu einer Sache. Der Gedanke verwirklicht sich von selbst. Diese Kalpatarus stehen symbolisch für unseren Geist. Der Geist ist kreativ, kreativ mit Gedanken.

Der Mann war müde und schlief unter so einem Wunschbaum ein. Als er aufwachte, war er sehr hungrig und sagte zu sich: „Ich wünsche mir, ich könnte von irgendwo Essen herbekommen.“ Und sofort tauchte Essen aus dem Nichts auf – eine köstliche Mahlzeit schwebte durch die Luft zu ihm. Er begann sofort zu essen und als er satt war, kam ihm ein anderer Gedanke: „Wenn ich noch etwas zu trinken bekommen könnte…“ Im Paradies gibt es keine Prohibition, also tauchte sofort eine Flasche mit kostbarem Wein auf.

Während er den Wein trank und im Schatten des Baumes die kühle Brise des Paradieses genoss, begann er sich zu fragen: „Was geschieht mit mir? Träume ich oder gibt es hier Geister, die mir einen Streich spielen?“ Da erschienen Geister – sie sahen schrecklich aus, Furcht erregend und abscheulich. Er begann zu zittern und es kam ihm der Gedanke: „Ich werde bestimmt umgebracht. Diese Leute werden mich töten!“ Und er wurde umgebracht.

Dieses Gleichnis ist ein uraltes Gleichnis von sehr tiefer Bedeutung. In deinem Kopf ist der Wunschbaum. Alles, was du denkst, wird früher oder später in Erfüllung gehen. Manchmal ist der Abstand so groß, dass du völlig vergessen hast, dass du es dir irgendeinmal gewünscht hattest – manchmal dauert es Jahre, manchmal mehrere Leben, so dass du es mit dem Ursprung des Wunsches nicht mehr in Verbindung bringen kannst. Aber wenn du es genau beobachtest, wirst du feststellen, dass alle deine Gedanken dich und dein Leben erschaffen. Sie erschaffen dein Leiden; sie erschaffen deine Freude. Sie erschaffen das Negative und sie erschaffen das Positive. Jeder von uns ist ein Zauberer, der um sich herum eine magische Welt webt und spinnt. Und dann verfängt er sich darin – die Spinne ist in ihrem eigenen Netz gefangen.

Wenn man das einmal begriffen hat, beginnen sich die Dinge zu ändern. Dann kannst du damit spielen. Dann kannst du deine Hölle zum Himmel machen – es geht nur darum, sie mit einer anderen Sichtweise auszumalen. Oder wenn du es so sehr liebst, unglücklich zu sein, kannst du dir so lange du willst dein Unglück erschaffen, nach Herzenslust! Aber dann beklagst du dich nie darüber, denn du weißt, dass es deine eigene Schöpfung ist; es ist das Bild, was du selber gemalt hast. Du kannst keinen anderen dafür verantwortlich machen.

Dann liegt alle Verantwortung bei dir. Und dann taucht eine ganz neue Möglichkeit auf: Du kannst es auch sein lassen, die Welt zu erschaffen; du kannst damit aufhören. Du brauchst dir weder Himmel noch Hölle zu erschaffen; du brauchst überhaupt nichts zu erschaffen. Der Schöpfer kann sich ausruhen; er kann in den Ruhestand gehen. Dieser Ruhestand des Geistes ist Meditation.

 

Montag, 26. Juli 2010

Meditation für den Tag: Die Suche

Nimm all deinen Mut zusammen und mache einen Sprung! Du wirst immer noch da sein, aber in einer so neuen Weise, dass du es mit dem Alten nicht mehr in Verbindung bringen kannst. Es wird keinen Zusammenhang geben. Das Alte war so eng, so klein, so beschränkt, und das Neue ist so unendlich groß. Aus einem kleinen Tautropfen bist du zum Ozean geworden. Doch selbst der Tautropfen, der vom Blatt der Lotusblüte herunter gleitet, zittert für einen Moment, versucht sich noch ein wenig länger festzuhalten, denn er kann den Ozean sehen… Wenn er das Blatt loslässt, ist er weg! Ja, in gewisser Weise, wird er nicht mehr da sein; als Tautropfen wird er weg sein. Aber das ist kein Verlust. Er wird ozeanisch groß sein! Und alle anderen Ozeane sind begrenzt. Nur der Ozean der Existenz ist grenzenlos.
 
 
Die Suche nach dem Haus Gottes
Es gibt ein wunderschönes Gedicht des Dichters Rabindranath Tagore, über das ich schon oft gesprochen habe: Er war seit Millionen von Leben auf der Suche nach Gott. Ab und zu sah er ihn in weiter Ferne, in der Nähe eines Sterns, und begann sich in seine Richtung zu bewegen, aber als er den Stern erreicht hatte, war Gott schon an einem anderen Ort. Doch er suchte immer weiter. Er war fest entschlossen, das Haus Gottes zu finden. Und die größte Überraschung kam eines Tages, als er tatsächlich vor einem Haus stand, auf dessen Tür geschrieben stand: „Gottes Haus.“

Man kann sich vorstellen, wie begeistert er ist, wie er sich freut! Er rennt die Stufen hinauf, und in dem Moment, wo er gerade anklopfen will, erstarrt seine Hand plötzlich. Es kommt ihm ein Gedanke: „Wenn dies durch Zufall tatsächlich Gottes Haus ist, dann bin ich am Ende. Meine Suche ist zu Ende. Ich bin doch so identifiziert mit Suchen und Forschen. Ich kenne nichts anderes. Wenn die Tür sich öffnet und ich vor Gott stehe, bin ich am Ende. Die Suche ist vorbei. Was dann?“

Er beginnt vor Angst zu zittern, zieht sich die Schuhe aus und schleicht die schönen Marmorstufen wieder hinunter. Seine einzige Furcht ist, dass Gott die Tür öffnen könnte, obwohl er gar nicht geklopft hat. Und dann beginnt er zu rennen, so schnell, wie er noch nie gerannt ist. Bis dahin hatte er gedacht, er sei hinter Gott her gerannt, so schnell er konnte. Doch nun rennt er, wie er noch nie gerannt ist, ohne sich umzuschauen. Das Gedicht endet so: „Ich bin immer noch auf der Suche nach Gott. Ich kenne sein Haus, so dass ich es meiden kann und ihn an allen anderen Orten suchen kann. Es ist sehr aufregend; es ist eine große Herausforderung, und in meiner Suche existiere ich weiter. Gott ist eine Gefahr – er wird mich vernichten! Doch nun habe ich nicht einmal mehr vor Gott Angst, denn ich weiß, wo er wohnt. Um sein Haus mache ich einen großen Bogen und suche weiter nach ihm im gesamten Universum. Und im tiefsten Grunde weiß ich, dass ich nicht nach Gott suche, sondern dass die Suche Nahrung für mein Ego ist.“

Normalerweise wird Rabindranath Tagore nicht mit Religion in Verbindung gebracht. Doch nur ein religiöser Mensch mit tiefer Erfahrung kann ein solches Gedicht schreiben. Das ist keine gewöhnliche Dichtung; sie enthält eine so ungeheuer tiefe Wahrheit. Genau so ist die Situation: Wahre Seligkeit lässt dich nicht mehr existieren. Du musst verschwinden. Deshalb sieht man nicht viele wirklich glückliche Menschen auf der Welt. Unglücklich zu sein ist Nahrung für das Ego. Deshalb sieht man so viele unglückliche Menschen auf der Welt. Grundsätzlich steht im Mittelpunkt das Ego.

Um die höchste Wahrheit zu erkennen, musst du den Preis dafür zahlen. Und der Preis ist nichts anderes als das Ego loszulassen. Wenn also ein solcher Augenblick kommt, dann zögere nicht. Tanze dabei – und löse dich auf; mit einem Lachen – löse dich auf; mit einem Lied auf den Lippen – löse dich auf.
 (osho)

Sonntag, 25. Juli 2010

Meditation für den Tag: Aufrichtigkeit

Erinnere dich lediglich an dies eine: Sei authentisch, sei aufrichtig zu dir selbst. Steh zu deiner Wahrheit, was auch immer die Konsequenzen sein mögen. Selbst wenn du dein Leben dafür riskieren musst, riskier es, denn Wahrheit besitzt einen viel höheren Wert als alles andere, denn Wahrheit ist wahres Leben.


Bodhidharmas Suche nach einem Schüler
 
Ich muss an Bodhidharma denken, der Zen nach China brachte…Der Kaiser war extra zur Grenze gekommen, um ihn zu empfangen – und wäre es nicht Bodhidharma gewesen, hätte ihn der Kaiser sofort geköpft, denn er empfand ihn als ungesittet. Der Kaiser hatte hunderte von Tempeln bauen, tausende von Buddha-Statuen errichten lassen. Eintausend Gelehrte waren unablässig damit beschäftigt, Buddhas Worte von Pali ins Chinesische zu übersetzen, zudem unterstützte die kaiserliche Schatzkammer 10.000 buddhistische Mönche. Er hatte viel getan, um aus China ein buddhistisches Land zu machen. Offenbar ging er davon aus, dafür geachtet zu werden, und so sagte er: „Ich habe all diese Dinge unternommen. Was glaubst du, welche Tugend mir daraus erwachsen wird?“
„Tugend? Du Idiot! – und das im Beisein des ganzen Gerichts, denn das Gericht hatte den Kaiser begleitet. Es war still. Er sagte weiter, „Du wirst auf direktem Wege zur Hölle fahren!“
Der Kaiser konnte das nicht verstehen. Er sagte: „Ich verstehe nicht, warum du so ärgerlich bist.“ Bodhidharma antwortete: „Du zerstörst ein lebendiges Wort und fütterst all diese Gelehrten durch, die nichts zur Bewusstheit des Volkes beizutragen haben. Und trotzdem hast du den Nerv zu fragen, ob du tugendhaft handelst? Du wirst im Höllenfeuer schmoren!“
Der Kaiser dachte bei sich, “wie entkomme ich der Falle dieses Mannes? Ich habe mich in eine Löwengrube begeben und weiß nicht, wie ich da wieder raus kommen soll...“ Der Kaiser kehrte nach Hause zurück und Bodhidharma blieb in den Bergen außerhalb der Grenze Chinas. Er verbachte neun Jahre in einem Tempel, und schaute nur die Wand. Dann rief er aus: „Zu Menschen zu sprechen, die nicht verstehen, ist wie gegen eine Wand zu reden. Doch gegen eine Wand zu reden hält zumindest den Trost bereit, dass es eine Wand ist. Ich werde mich nur für jemanden umdrehen, der es wert ist, das lebendige Wort zu hören.“
Neun Jahre sind eine lange Zeit – doch schließlich erschien eines Morgens ein Mann. Er sagte: „Hör zu, ich glaube, ich bin der, auf den du gewartet hast.“ Als Beweis trennte er sich mit seinem Schwert eine Hand ab, warf die Hand in den Schoß Bodhidharmas und sagte: „Dreh dich zu mir um, sonst schlage ich mir den Kopf ab und du wirst dafür verantwortlich sein.“ Bodhidharma drehte sich sofort um. Er sagte: „Das reicht. Das ist Beweis genug, dass du genau so verrückt bist, wie ich es möchte! Setz dich. Es gibt keinen Grund, dass du dir den Kopf abschlägst – wir brauchen ihn noch; du wirst mein Nachfolger sein.“
Ein Mann, der sich eine Hand abschlägt als Beweis für seine aufrichtige Suche…und für Bodhidharma gab keinen Zweifel, dass der Mann, hätte er sich nicht zu ihm umgedreht, sich auch noch den Kopf abgeschlagen hätte. Er wäre unnötigerweise für den Tod eines Menschen verantwortlich gewesen, und eines so wunderschönen Menschen, eines so mutigen. Und es gab keinen Zweifel, dass dieser Mann Bodhidharmas Nachfolger war.
Doch was genau zwischen diesen beiden Männern passierte, weiß niemand. Nicht ein einziges Wort wurde gesprochen – Bodhidharma wandte sich ihm nur zu, forderte ihn auf, sich zu setzen, schaute ihm in die Augen...es schneite und sie waren von einer ungeheuren Stille umgeben. Keine einzige Frage wurde gestellt, keine einzige Antwort gegeben. Etwas jedoch muss zwischen beiden geschehen sein, denn sonst hätte Bodhidharma ihn nicht als seinen Nachfolger gewählt.(osho)
 

Mittwoch, 21. Juli 2010

Fragen über Fragen

Jemand, der ständig Fragen stellt, begibt sich ins undurchschaubare Dickicht der Philosophie. Erlaube deinen Fragen, zu kommen und wieder zu gehen. Blicke auf die Vielzahl der Fragen so, wie du Menschen auf der Straße betrachtest – nichts nehmend und nichts gebend, mit einem Gefühl der Losgelöstheit, als stündest du weit abseits…

Je größer die Distanz zwischen dir und deinen Fragen ist, desto besser. Denn es ist genau diese Lücke, in der sich die Antwort zeigt.
 
 
Der Professor und sein Durst nach Antworten
 
Ein Philosophie-Professor besuchte den Zen-Meister Nan-in und befragte ihn nach Gott, nach dem Nirvana, nach Meditation und vielem anderen mehr. Der Meister hörte still zu – Fragen über Fragen über Fragen. Dann sagte er: „Du siehst müde aus. Du hast diesen hohen Berg erklommen; du kommst von weit her. Ich möchte dir erst einen Tee machen.“ Und so bereitete Nan-in Tee für seinen Gast.

Der Professor wartete – er brannte innerlich vor Ungeduld, weitere Fragen zu stellen. Und während der Meister Tee aufsetzte, der Samowar zu singen begann und das Aroma des Tees langsam den Raum erfüllte, sagte Nan-in zu dem Professor: „Warte noch einen Moment, sei nicht so in Eile. Wer weiß, vielleicht beantworten sich deine Fragen ja durch das Tee trinken? Oder sogar schon vorher?“

Der Professor war ratlos und dachte bei sich: ´Die ganze Reise war umsonst. Dieser Mann scheint verrückt zu sein. Wie können meine Fragen nach Gott durch Tee trinken beantwortet werden? Welchen Sinn soll das machen? Es ist wahrscheinlich das Beste, hier so schnell wie möglich zu verschwinden.` Andererseits fühlte er sich müde und eine Tasse Tee würde ihm sicher gut tun, bevor er mit dem Abstieg begann.

Der Meister nahm den Kessel und goss dem Professor eine Tasse Tee ein – und goss und goss und goss. Die Tasse war längst voll und der Tee begann überzulaufen und sich in die Untertasse zu ergießen. Trotzdem hörte Nan-in nicht auf, zu gießen. Irgendwann war auch die Untertasse voll. Noch ein einziger Tropfen und der Tee wäre auf den Boden getropft. Da rief der Professor: „Stopp! Was machst du denn da? Bist du verrückt? Siehst du denn nicht, dass die Tasse voll ist? Siehst du denn nicht, dass auch die Untertasse voll ist?“

Der Zen-Meister antwortete: „Genau so verhält es sich mit dir. Dein Verstand ist so angefüllt mit Fragen, dass selbst dann, wenn ich dir antworten würde, in deinem Kopf gar kein Platz für die Antworten wäre. Aber du machst einen intelligenten Eindruck. Du hast erkannt, dass ein einziger Tropfen mehr Tasse und Untertasse zum Überlaufen bringen kann und der Tee sich auf den Boden ergießen wird. Genau so ist es mit deinen Fragen, seit du gekommen bist: Auch sie ergießen sich überall im Raum. Mein Haus ist klein, aber übervoll mit deinen Fragen. Geh` zurück, leere deine Tasse und komme dann erst wieder. Schaff ein wenig Platz in Dir.“

 
 

Montag, 19. Juli 2010

Meditation für den Tag: Der höchste Zufall

Es ist keine bestimmte Abfolge von Ereignissen, die zu Erleuchtung führt. Deine Suche, dein intensives Verlangen, deine Bereitschaft alles zu tun – all dies zusammengenommen erzeugt um dich herum vielleicht eine bestimmte Atmosphäre, in der dieses größte aller Ereignisse möglich wird.
 
Chiyono und ihr Eimer voll Wasser
 
 
Die Nonne Chiyono hatte über Jahre meditiert, aber es war ihr nicht gelungen, zu Erleuchtung zu gelangen. Eines Nachts trug sie einen alten Eimer voll Wasser. Während sie so ging, beobachtete sie die Reflektion des Vollmondes im Wasser ihres Eimers. Plötzlich rissen die Bambusschlaufen, die den Eimer hielten und er zerbrach. Das Wasser ergoss sich auf den Boden; die Reflektion des Mondes verschwand – und Chiyono wurde erleuchtet.
Sie schrieb diesen Vers:

Auf diese Art und jene versuchte ich, den Eimer zusammenzuhalten,
in der Hoffnung, der schwache Bambus möge niemals reißen.
Plötzlich fiel der Boden heraus.
Kein Wasser mehr; kein Mond mehr im Wasser –
Leere in meinen Händen.

Erleuchtung ist genauso unvorhersehbar wie ein Unfall – denn ihr könnt sie nicht steuern, ihr könnt sie nicht auslösen. Aber missversteht mich nicht, denn wenn ich sage, Erleuchtung passiert unverhofft, meine ich damit nicht, dass ihr nichts tun solltet, um sie zu erlangen. Dieses Ereignis widerfährt nur jenen, die viel dafür getan haben – aber es widerfährt ihnen nicht wegen ihres Tuns. Das Tun ist lediglich die Ursache, die eine Situation in ihrem Innern geschaffen hat, die sie anfällig macht für das Ereignis, mehr nicht. Dies ist die Bedeutung dieser schönen Geschichte.

Ich möchte euch etwas über Chiyono erzählen. Sie war eine sehr schöne Frau – als sie jung war, stellten ihr sogar der Herrscher und die Prinzen nach. Sie verweigerte sich jedoch, denn sie wollte nur die Geliebte des Göttlichen sein. Deshalb zog sie von einem Kloster zum nächsten, um Nonne zu werden; aber selbst die größten Meister wiesen sie ab – es gab dort so viele Mönche, und sie war so schön, dass die Mönche Gott und auch alles andere vergessen würden. Aus diesem Grund blieben die Türen für sie überall verschlossen.
Und was tat Chiyono? Als sie keinen Ausweg mehr sah, verbrannte sie sich ihr Gesicht, übersäte es mit Narben. Dann ging sie zu einem Meister; er konnte nicht einmal mehr erkennen, ob sie ein Mann oder eine Frau war. Jetzt wurde sie als Nonne akzeptiert. Sie studierte, meditierte 30, 40 Jahre lang ohne Unterlass.
Und dann plötzlich, eines Nachts...sie beobachtete die Reflektion des Vollmondes im Wasser ihres Eimers. Plötzlich fiel der Eimer zu Boden, das Wasser ergoss sich und der Mond verschwand –und dies wurde zum auslösenden Moment.

Es gibt immer ein auslösendes Moment, durch das sich das Alte auflöst und das Neue beginnt, an dem du wiedergeboren wirst. Dies wurde zum auslösenden Moment. Plötzlich ergoss sich das Wasser und der Mond verschwand. Sie muss nach oben geschaut haben – und dort stand der echte Mond. Plötzlich wurde sie durch die Erkenntnis erleuchtet, dass alles eine Reflektion war, eine Illusion, denn es wurde mit dem Verstand betrachtet. Als der Eimer brach, brach im Inneren auch der Verstand. Er war bereit. Alles, was zu tun war, war getan.
Alles, was möglich war, hatte sie getan. Nichts war übrig, sie war bereit, sie hatte es sich verdient. Dieses gewöhnliche Ereignis wurde zum auslösenden Moment. Plötzlich brach der Boden heraus, es war ein Unfall. Kein Wasser mehr; kein Mond mehr im Wasser, Leere in meinen Händen.
Und das ist Erleuchtung: Wenn ihr Leere in euren Händen haltet, wenn alles leer ist, wenn niemand mehr da ist, nicht einmal du. Dann tragt ihr das ursprüngliche Gesicht des Zen.
 (osho)
 
 

Freitag, 16. Juli 2010

Meditation für den Tag: No-Mind

Der Zustand des No-Mind ist der Zustand des Göttlichen. Gott ist kein Gedanke, sondern das Erleben von Gedankenlosigkeit. Er ist nicht Inhalt des Verstandes; er entspricht der Explosion, die sich ereignet, wenn der Verstand inhaltsleer ist. Er ist kein Objekt, das du sehen kannst; er ist vielmehr die eigentliche Fähigkeit, zu sehen. Er ist nicht das geschaute Objekt, sondern der Betrachter selbst. Es sind nicht die sich am Himmel auftürmenden Wolken, es ist der wolkenlose Himmel. Es ist genau dieser leere Himmel.


Das Höchste und das Unaussprechliche

Wenn das Bewusstsein nicht mit einem äußeren Objekt befasst ist, wenn es nichts zu sehen gibt, nichts zu denken, wenn ringsum nur Leere herrscht, dann fällt man in sich selbst hinein. Es gibt keinen Ort, an den man gehen müsste – man entspannt sich in seine eigene Quelle hinein, und diese Quelle ist Gott. Dein inneres Sein ist nichts anderes als ein innerer Himmel. Der Himmel ist leer, doch in diesem leeren Himmel ist alles enthalten - die gesamte Existenz, die Sonne, der Mond, die Sterne, die Erde, die Planeten. Es ist der leere Himmel, der für alles Raum hat, was existiert. Es ist der leere Himmel, der den Hintergrund bildet für alles, was existiert. Dinge kommen und gehen, doch der Himmel bleibt immer gleich.
Genau so verhält es sich mit eurem inneren Himmel; auch er ist leer. Wolken kommen und gehen, Planeten werden geboren und sterben, Sterne steigen auf und gehen wieder unter, und der innere Himmel bleibt immer gleich, unberührt, ungetrübt, unverletzt. Wir nennen diesen inneren Himmel sakshin, den Zeugen – und das ist das eigentliche Ziel von Meditation.
Gehe nach innen, genieße den inneren Himmel. Sei dir bewusst, dass alles, was du siehst, nicht du bist. Du kannst Gedanken sehen, aber du bist nicht diese Gedanken; du kannst deine Gefühle sehen, aber du bist nicht diese Gefühle; du kannst deine Träume sehen, deine Wünsche, Erinnerungen, Vorstellungen, Projektionen, doch all das bist du nicht. Lass alles, was du siehst, vorüberziehen. Dann wird eines Tages der grossartige Augenblick kommen, der bedeutsamste Augenblick deines Lebens, wenn nichts übrig bleibt, was man eliminieren könnte. Alles Geschaute hat sich aufgelöst und es gibt nur noch den, der schaut. Dieser Betrachter ist der leere Himmel.
Dies zu wissen, heißt ohne Angst zu sein. Dies zu wissen, heißt voller Liebe zu sein. Dies zu wissen, heißt Gott zu sein, unsterblich zu sein.

Es ist unmöglich, den Himmel zu beschmutzen, ihn zu beeindrucken, Spuren auf ihm zu hinterlassen.Wir können Linien aufs Wasser malen, aber in dem Moment, wo sie entstehen, sind sie auch schon wieder verschwunden. Malt man sie hingegen auf Stein, überdauern sie Tausende von Jahren. Es ist unmöglich, Linien auf den Himmel zu malen, weshalb sich auch die Frage ihres Verschwinden erübrigt. Bitte macht euch diesen Unterschied klar. Es ist unmöglich, Linien auf den Himmel zu malen – ich mag zwar mit meinem Finger auf dem Himmel umherfahren, der Finger bewegt sich entlang, aber er hinterlässt keine Linie, weshalb sich die Frage des Verschwindens der Linien erst gar nicht stellt.
An dem Tag, an dem man über seinen Verstand hinausgeht, an dem das Bewusstsein den Verstand transzendiert, macht dieser Mensch die Erfahrung, dass – genau wie der Himmel – auch die Seele frei von Zeichen oder Linien ist. Sie ist für immer rein, für immer erleuchtet, sie ist noch niemals beschmutzt worden.(osho)

Montag, 12. Juli 2010

Meditation für den Tag: Hoffnung

An der Liebe kannst du dich nur dann wirklich freuen, wenn du die Freude des Alleinseins erfahren hast. Denn nur dann hast du etwas, das du teilen kannst. Ansonsten können zwei Bettler, die sich begegnen und aneinander klammern, niemals zusammen glücklich sein. Sie machen sich gegenseitig unglücklich, weil jeder von ihnen hofft, und umsonst hofft, dass der andere ihn erfüllen wird. Und der andere hofft dasselbe. Sie können einander nicht erfüllen. Sie sind beide blind; sie können einander nicht helfen.
 
Im Dschungel verirrt
 
Ich habe von einem Jäger gehört, der sich im Urwald verirrt hatte. Drei Tage lang konnte er niemanden finden, den er nach dem Weg hätte fragen können. Er geriet immer mehr in Panik – drei Tage ohne Essen, drei Tage in ständiger Angst vor wilden Tieren. Drei Tage lang war er nicht imstande gewesen zu schlafen; er hatte wach auf einem Baum gesessen, aus Angst angegriffen zu werden. Es gab Schlangen, es gab Löwen und andere wilde Tiere.

Am vierten Tage sah er frühmorgens einen Mann unter einem Baum sitzen. Man kann sich seine Freude vorstellen. Er rannte hin, umarmte den Mann und rief: „Was für eine Freude!“ Der andere umarmte ihn auch, und beide waren überglücklich. Dann fragte der eine den anderen: „Warum bist du denn so glücklich?“

Der erste sagte: „Ich hatte mich verirrt und gehofft, einem Menschen zu begegnen.“ Und der andere sagte: „Ich habe mich auch verirrt und hoffte, jemandem zu begegnen. Aber wenn wir uns beide verirrt haben, ist es idiotisch, sich so zu freuen. Jetzt sind wir gemeinsam verirrt.“

Genau das geschieht immer wieder. Du bist einsam; der andere ist einsam – nun trefft ihr euch. Zuerst kommen die Flitterwochen, die Begeisterung, dass ihr euch begegnet seid. Nun seid ihr nicht mehr so einsam. Doch nach drei Tagen – oder wenn ihr intelligent genug seid nach drei Stunden… Es hängt ganz von eurer Intelligenz ab. Wenn man beschränkt ist, dauert es länger, da man noch nichts gelernt hat. Ein intelligenter Mensch merkt es ansonsten gleich nach drei Minuten: „Was wollen wir voneinander? Es wird nicht klappen. Der andere ist ebenso einsam wie ich. Wenn wir nun zusammen leben, treffen zwei Einsamkeiten aufeinander. Zwei Wunden können sich nicht gegenseitig helfen geheilt zu werden.“

Wir gehören alle zusammen. Kein Mensch ist eine Insel. Wir gehören zu einem unsichtbaren, jedoch unendlich großen Kontinent. Unsere Existenz ist grenzenlos. Doch solche Erfahrungen machen nur Menschen, die sich selbst verwirklichen, die eine so große Liebe für sich selbst haben, dass sie die Augen schließen und allein sein können und dabei vollkommen selig sind. Nur darum geht bei Meditation.

Meditation heißt, dein Alleinsein ekstatisch zu genießen. Wenn du mit deinem Alleinsein so glücklich wirst, dann wird dein Glück bald so groß, dass du es nicht mehr bei dir behalten kannst. Es beginnt überzufließen. Und wenn es aus dir überfließt, verwandelt es sich in Liebe.

Durch Meditation kann Liebe geschehen. Und Menschen, die keine Meditation erfahren haben, werden niemals wissen, was Liebe ist. Vielleicht geben sie vor zu lieben, aber sie können es nicht. Sie machen es sich nur vor, denn sie haben nichts zu geben, sie sind nicht am Überfließen. Liebe ist Teilen. Aber bevor du sie teilen kannst, musst du sie haben. Meditation sollte den Vorrang haben.

Meditation ist die Mitte – Liebe umgibt sie. Meditation ist die Flamme – Liebe ist die Ausstrahlung davon. Meditation ist die Blume – Liebe ist ihr Duft.
 (osho)
 
 

Freitag, 9. Juli 2010

Meditation für den Tag: Herausforderung

Leiden bedeutet nur, dass die Dinge, wie sie sind, nicht zu deinen Wünschen passen. Und sie passen nie zu deinen Wünschen; das können sie gar nicht. Die Dinge folgen ihrer Natur. Bei Lao-Tse heißt es Tao; Buddha nennt diese Natur der Dinge Dhamma. Und Mahavir hat Religion als „die Natur der Dinge“ bezeichnet. Man kann nichts tun. Feuer ist heiß, und Wasser ist kühl.

Ein weiser Mensch entspannt sich mit der Natur der Dinge; er folgt der Natur der Dinge. Und wenn du der Natur der Dinge folgst, dann wird kein Schatten geworfen. Es gibt kein Leiden mehr. Dann hat sogar Traurigkeit etwas Leuchtendes; es ist etwas Schönes, traurig zu sein. Es ist nicht so, dass man nicht mehr traurig ist. Die Traurigkeit kommt, aber sie ist nicht dein Feind. Du freundest dich mit dir an, weil du ihre Notwenigkeit einsiehst. Du wirst sie als Gnade ansehen, und du wirst in der Lage sein zu sehen, warum sie da ist und warum sie gebraucht wird.



Das Gleichnis vom Bauern und vom Weizen


Ich habe ein altes Gleichnis gehört. Es muss uralt sein, weil Gott zu jener Zeit noch auf Erden weilte. Eines Tages kam ein Mann zu ihm, ein alter Bauer, der zu ihm sagte: „Schau, du magst ja Gott sein und die Welt erschaffen haben, aber eines muss ich dir sagen: Ein Bauer bist du nicht. Du kennst nicht einmal das ABC der Landwirtschaft. Du hast noch einiges zu lernen.“

„Was rätst du mir?“ fragte Gott.

Der Bauer sagte: „Gib mir ein Jahr Zeit und lass die Dinge nach meinem Willen geschehen, und wart ab, was passiert. Es wird keine Armut mehr geben.“

Gott willigte ein, und der Bauer bekam ein Jahr. Natürlich bestellte er nur das Beste; er dachte nur an das Beste – keine Gewitter, keine Stürme, keine Gefahren für die Ernte. Alles war angenehm, behaglich, und er freute sich sehr. Der Weizen wuchs so hoch! Wenn er Sonne wollte, schien die Sonne; wenn er Regen wollte, regnete es, so viel er wollte. In diesem Jahr lief alles richtig, mathematisch richtig. Aber als der Weizen geerntet wurde, waren keine Körner darin.

Der Bauer war erstaunt. Er fragte Gott. „Was ist passiert? Was ist schief gelaufen?“

Gott sprach: „Da es keine Herausforderung gab, keine Reibung, und du alles vermieden hast, was schlecht war, ist der Weizen unfruchtbar geblieben. Ein bisschen Kampf gehört dazu. Stürme sind nötig, und Donner und Blitze sind nötig. Sie rütteln die Seele im Weizen wach.“

Dieses Gleichnis ist sehr wertvoll. Wenn du immer nur glücklich und glücklich und wieder glücklich bist, verliert das Glück jeden Sinn. Es ist, als würde jemand mit weißer Kreide auf eine weiße Wand schreiben. Er kann so viel schreiben, wie er will, aber niemand wird es lesen. Man muss auf eine schwarze Tafel schreiben, dann tritt der Kontrast klar hervor.

Die Nacht ist ebenso nötig wie der Tag. Und Tage, an denen man traurig ist, sind ebenso wichtig wie die Tage, an denen man glücklich ist. Das nenne ich Weisheit. Wenn du dies begriffen hast, entspannst du dich. Und in der Entspannung ist Demut. Du sagst: „Dein Wille geschehe!“ Du sagst: „Tu das, was du für richtig hältst. Wenn heute Wolken nötig sind, dann gib mir Wolken. Höre nicht auf mich, denn mein Verständnis ist so winzig klein. Was weiß ich vom Leben und seinen Geheimnissen? Höre nicht auf mich! Lass deinen Willen einfach weiter geschehen!“ Und im Laufe der Zeit, je mehr du den Rhythmus des Lebens erkennst, den Rhythmus der Dualität, den Rhythmus der Polarität, wirst du immer weniger begehren, immer weniger wählen.

Und das ist das ganze Geheimnis. Lebe mit diesem Geheimnis, und plötzlich erlebst du eine Überraschung: Was für ein großer Segen ist das Leben! Wie sehr wirst du mit jedem Augenblick beschenkt!(osho)

Sonntag, 4. Juli 2010

Kompromiss

Sei nicht zu klug, sonst bleibst du derselbe und änderst dich nie. Halbherzige Techniken auf dem Weg der Liebe und halbherzige Techniken auf dem Weg der Meditation werden dich zu sehr verwirren. Sie werden dir nicht helfen….Aber das Ego wehrt sich dagegen, um Hilfe zu bitten, deshalb versuchst du, Kompromisse zu schließen. Dieser Kompromiss ist noch gefährlicher; er wird dich noch mehr verwirren, weil er schon aus Verwirrung entstanden ist.Versuche also zu verstehen, warum du unbedingt Kompromisse willst. Früher oder später wirst du verstehen, daß dir ein Kompromiss nicht weiterhilft. Der Kompromiss kann ein Trick sein, überhaupt keine Richtung einzuschlagen oder deine Verwirrung zu überspielen. Das wird sich rächen. Überspiele nichts; sei dir klar über deine Situation. Und wenn du verwirrt bist, vergiß nicht, daß du verwirrt bist. Das ist die erste klare Einsicht: daß du verwirrt bist. Deine Reise hat begonnen.
Osho Dang Dang Doko Dang Chapter 4


Im alten Japan bestand die Dienerschaft an fürstlichen Höfen oft aus Bagatellverbrechern, die man kastriert hatte. Da sie über die Interna am Hof bestens Bescheid wußten, standen sie oft im Mittelpunkt politischer und gesellschaftlicher Intrigen und übten große Macht hinter den Kulissen aus. Das erinnert an schäbige oder verschwörerische Situationen, in die wir geraten, wenn wir Kompromisse machen und unsere eigene Wahrheit verraten. Man kann zwar anderen entgegenkommen, akzeptieren, daß sie einen anderen Standpunkt haben, und sich bemühen, gegensätzliche Kräfte in Harmonie zu bringen. Aber klein beigeben und Kompromisse auf Kosten der eigenen Wahrheit machen, ist etwas anderes. Wenn wir genau hinschauen, stellen wir fest, daß wir versuchen, damit etwas zu erreichen – sei es Macht oder die Anerkennung von anderen. Falls du vor einer solchen Situation stehst, nimm dich in acht: Kompromisse hinterlassen immer einen üblen Nachgeschmack.

Samstag, 3. Juli 2010

Meditation für den Tag: Dankbarkeit

In dem Augenblick, wo man in der Lage ist dankbar für alles zu sein, sowohl für Schmerz als auch für Freude, ohne einen Unterschied zu machen, ohne das eine oder andere zu wählen, einfach dankbar zu sein für alles, was einem gegeben wird… Denn wenn es von Gott gegeben ist, muss es einen Grund haben. Ob wir es mögen oder nicht – es ist offenbar notwendig für unser Wachstum.

Sowohl der Winter als auch der Sommer sind für das Wachstum nötig. Wenn diese Erkenntnis tief in unserem Herzen verankert ist, dann ist jeder Augenblick des Lebens voller Dankbarkeit.

Mache dir dies zur Meditation oder zum Gebet: Danke Gott jeden Augenblick – für das Lachen und für die Tränen, einfach für alles. Dann wirst du sehen, wie in deinem Herzen eine Stille entsteht, die du bisher noch nicht erfahren hast. Das ist Seligkeit.


 Eine Nacht ohne Quartier

Es geht darum, das Leben so anzunehmen, wie es ist. Nimmt man es an, verschwinden die Wünsche. Nimmt man das Leben, wie es ist, dann verschwinden Spannungen, dann verschwindet Unzufriedenheit. Wenn man es annimmt, wie es ist, beginnt man sich sehr zu freuen, und das ohne jeden Grund!

Solange Freude einen Grund hat, währt sie nicht lange. Freude, die man ohne jeden Grund verspürt, wird ewig währen.

Diese Geschichte trug sich in Japan im Leben von Rengetsu zu, einer hoch geachteten Zen-Anhängerin. Es gibt nur wenige Frauen, die im Zen zur höchsten Wahrheit gelangt sind; Rengetsu ist eine ihnen.

Sie war auf einer Pilgerreise und kam bei Sonnenuntergang in ein Dorf, wo sie um Unterkunft bat. Doch die Dorfbewohner schlugen ihr die Tür vor der Nase zu. Sie waren wohl traditionell und gegen Zen eingestellt. Zen ist so revolutionär, so rebellisch, dass es traditionellen Menschen sehr schwer fällt, es anzunehmen. Wer es annimmt, wird transformiert; wer es annimmt, geht durchs Feuer und wird nie wieder derselbe sein. Traditionelle Menschen waren schon immer gegen alles, was an der Religion echt ist. Tradition ist das Unechte an der Religion. Es lebten also in diesem Dorf wahrscheinlich traditionelle Buddhisten, die Rengetsu keine Bleibe im Dorf geben wollten und sie hinauswarfen.

Die Nacht war kalt und die alte Frau ohne Bleibe, und sie war hungrig. Sie musste einen Kirschbaum auf dem Felde zu ihrem Dach machen. Es war wirklich kalt, so dass sie nicht gut schlief. Und gefährlich war es auch – wilde Tiere und alle möglichen Geräusche… Um Mitternacht wachte sie auf – sie fror erbärmlich – und erblickte über sich im Nachthimmel die vollends geöffneten Kirschblüten, die dem verschleierten Mond zulächelten. Überwältigt von dieser Schönheit stand sie auf und verbeugte sich mit folgenden Worten in Richtung des Dorfes:

Da sie so freundlich waren, mir die Unterkunft zu verweigern, fand ich mich unter Blüten wieder in der Nacht des verschleierten Mondes.

Sie verspürt echte Dankbarkeit. Aus tiefstem Herzen dankt sie den Leuten, die ihr die Unterkunft verweigert hatten, da sie sonst unter einem gewöhnlichen Dach geschlafen und diesen Segen versäumt hätte – diese Kirschblüten und ihr Wispern unter dem verschleierten Mond, diese Stille der Nacht, die tiefe Stille der Nacht. Sie ist ihnen nicht böse, sie nimmt es an. Und sie nimmt es nicht nur an, sondern sie begrüßt es, sie ist dankbar.

Ein Mensch wird augenblicklich zum Buddha, wenn er alles, was das Leben bringt, mit Dankbarkeit annimmt.

Dienstag, 22. Juni 2010

Meditation für den Tag: Das Einfältige Herz

Das Herz hat seine eigene Vernunft, die der Verstand nicht begreifen kann. Das Herz hat seine eigene Dimension des Seins, die für den Verstand völlig im Dunkeln liegt. Das Herz ist etwas Höheres als der Verstand – und etwas Tieferes; es liegt außerhalb seiner Reichweite. Es wirkt einfältig. Liebe sieht immer einfältig aus, weil sich die Liebe nicht am Nutzen orientiert. Der Verstand ist Zweck orientiert, auf ein Ziel hin. Er macht alles zum Mittel. Und Liebe kann nicht zum Mittel gemacht werden, das ist das Problem. Liebe ist sich selbst das Ziel.


Die verrückte Weisheit des Heiligen Franz von Assisi

Nachdem der Heilige Franziskus erleuchtet war, nannte er sich „den Narren Gottes“. Der Papst war damals ein weiser Mann, aber als er Franziskus begegnete, dachte auch er, dass dieser Mann verrückt geworden war. Er war ein intelligenter, schlauer und berechnender Mann – wie hätte er sonst Papst werden können? Um Papst zu werden, muss man die Politik beherrschen. Um Papst zu werden, muss man diplomatisch sein und aggressiv seine Ellenbogen benutzen, um andere beiseite zu schieben, um andere als Sprossen auf der Leiter zu benutzen und sie wieder loszuwerden. Es ist reine Politik, denn ein Papst ist ein politischer Kopf. Die Religion ist für ihn zweitrangig oder völlig unwichtig. Wie kann ein wirklich religiöser Mensch um einen Posten kämpfen und aggressiv sein? Das sind immer nur Politiker.

Franz von Assisi besuchte den Papst, und der Papst war überzeugt, dass dieser Mann ein Narr sei. Aber die Bäume, die Fische und die Vögel waren anderer Meinung. Wenn der Heilige Franziskus an einen Fluss kam, machten die Fische Luftsprünge vor Freude, dass er gekommen war. Tausende von Menschen konnten es bezeugen: Millionen Fische sprangen gleichzeitig in die Luft – der ganze Fluss, war vor lauter springenden Fischen nicht mehr zu sehen! Der Heilige Franziskus war gekommen und die Fische waren glücklich. Wo immer er hinging, folgten ihm die Vögel und saßen auf seinen Schenkeln, auf seinem Körper, auf seinem Schoß. Sie verstanden diesen Narren besser als der Papst. Selbst Bäume, die ausgetrocknet und fast abgestorben waren, wurden grün und blühten wieder, wenn Franziskus in ihre Nähe kam. Diese Bäume hatten begriffen, dass dies kein gewöhnlicher Narr war, sondern der Narr Gottes.

Donnerstag, 17. Juni 2010

Meditation für den Tag: Sorge und Angst

Hast du jemals eine Tatsache zur Kenntnis genommen? Die Gegenwart ist immer saftig und lebendig. Die Gegenwart ist immer glücklich. Sorgen und Leiden entstehen dadurch, dass du entweder etwas in der Vergangenheit wolltest, was nicht eingetreten ist, oder etwas in der Zukunft willst und nicht weißt, ob es möglich sein wird oder nicht. Hast du es jemals bemerkt? Hast du diese kleine Wahrheit jemals beachtet, dass es in der Gegenwart kein Leiden gibt, dass es keine Sorgen gibt? Deshalb kann die Gegenwart deinen Geist niemals stören; nur durch Angst wird er verstört.

Es gibt kein Leiden in der Gegenwart. Die Gegenwart weiß nicht, was Leiden ist. Die Gegenwart ist ein so winziger Moment, dass das Leiden nicht hineinpasst. In die Gegenwart passt nur der Himmel, nicht die Hölle. Die Hölle ist zu groß! Die Gegenwart kann nur Frieden sein, kann nur Glück sein.



Ich habe von einer alten Frau gehört, die im Bus fuhr. Sie war sehr ängstlich und besorgt und fragte ständig, welche Haltestelle es nun sei. Ein Fremder, der neben ihr saß, sagte: „Beruhigen Sie sich; machen Sie sich keine Sorgen. Der Schaffner ruft jede Station aus, und wenn Sie sich zu sehr Sorgen machen, kann ich ihn auch rufen. Sie können ihm sagen, wo Sie aussteigen wollen, dann kann er Sie daran erinnern. Und Sie können sich beruhigen.“

Er rief den Schaffner, und die alte Dame sagte: „Bitte denken Sie daran. Ich möchte auf keinen Fall meine Haltestelle verpassen. Ich muss unbedingt dorthin kommen.“

Der Schaffner sagte: „In Ordnung. Ich werde es mir merken, obwohl ich sowieso jede Haltestelle ausrufe, ohne dass Sie mich fragen. Aber ich werde es mir speziell merken und extra zu Ihnen kommen, wenn Ihre Haltestelle kommt. Aber beruhigen Sie sich doch! Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen.“

Die Frau – in Schweiß gebadet, zitternd und angespannt – sagte: „Gut, dann notieren Sie es sich bitte. Meine Haltestelle ist die Endstation.“

Die Endstation! Warum muss man da sich Sorgen machen? Wie kann man sie verpassen? Man kann sie gar nicht verpassen.

Sobald du ruhig wirst, sobald du dich entspannst, weißt du, dass die Existenz sich schon auf höhere Gipfel zu bewegt und sie erreichen wird; sie hat sich längst in Gang gesetzt. Und du gehörst dazu. Du brauchst keine getrennten Ambitionen zu haben. Das ist Hingabe – sich auszuruhen, alle privaten Ziele loszulassen, das ganze Leistungsdenken, alle Egoprojektionen loszulassen. Dann ist das Leben geheimnisvoll; deine Augen sind voller Staunen; dein Herz ist voller Ehrfurcht.

Wir sind nicht da, um etwas zu werden. Wir sind es bereits. Das ist immer wieder die Botschaft der Erwachten: dass du nichts erreichen sollst, dass es dir schon gegeben ist. Es ist die Gabe Gottes. Du bist schon dort, wo du sein sollst. Du kannst nicht irgendwo anders sein. Du brauchst nirgendwo hingehen; es gibt nichts zu erreichen. Und weil du nirgendwo hingehen und nichts erreichen musst, kannst du feiern. Dann gibt es keine Eile, keine Sorgen, keine Angst, keine Beklemmungen, keine Befürchtungen, dass etwas misslingt. Du kannst nicht scheitern. In der Natur der Dinge ist es nicht möglich zu scheitern, denn da die Frage nach dem Erfolg gar nicht gestellt wird.(osho)

Dienstag, 15. Juni 2010

Meditation für den Tag: Akzeptiere dich selbst

Du kannst dich selbst nicht verbessern. Und erinnere dich, ich sage nicht, dass keine Verbesserung geschieht -- doch du kannst dich nicht selbst verbessern. Wenn du damit aufhörst, dich selbst zu verbessern, verbessert dich das Leben. Mit dieser Entspannung, mit diesem Akzeptieren beginnt dich das Leben zu liebkosen, das Leben beginnt durch dich zu fliessen. Niemand anders war jemals so wie du und niemand anders wird jemals so sein wie du; du bist einfach einzigartig, unvergleichlich.

Akzeptiere das, liebe das, feiere das -- und genau durch dieses Feiern wirst du beginnen, die Einzigartigkeit der anderen zu sehen, dien unvergleichliche Schönheit der anderen.

Liebe ist nur dann möglich, wenn ein tiefes Akzeptieren deiner selbst, der anderen und der Welt da ist. Akzeptieren erschafft das Klima in dem Liebe wächst, den fruchtbaren Boden, in dem Liebe erblüht.
 
 
Das Stiefmütterchen im Garten des Königs
 
 
Ein König ging in seinen Garten und fand dort verwelkte und sterbende Bäume, Sträucher und Blumen. Die Eiche sagte, sie stürbe, weil sie nicht so groß sein könne wie die Tanne. Als der König sich der Tanne zuwandte, ließ diese die Zweige hängen, weil sie keine Trauben tragen konnte wie der Weinstock. Und der Weinstock lag im Sterben, weil er nicht blühen konnte wie die Rose. Endlich entdeckte der König das wilde Stiefmütterchen, das blühend und frisch war wie eh und je. Auf seine Frage erhielt er folgende Antwort:

„Für mich war klar, dass du ein Stiefmütterchen haben wolltest, als du mich pflanztest. Hättest du eine Eiche, einen Weinstock oder eine Rose gewollt, hättest du sie gepflanzt. Deshalb dachte ich: Da du mich hier eingepflanzt hast, sollte ich mein Bestes geben um deinem Wunsch zu entsprechen. Und da ich ohnehin nichts anderes sein kann als ich bin, versuche ich, dies nach besten Kräften zu sein.“

Du bist hier, weil die Existenz dich so braucht, wie du bist. Sonst wäre jemand anderes hier, sonst hätte dir die Existenz nicht geholfen hier zu sein, sie hätte dich nicht erschaffen. Du erfüllst eine sehr wesentliche Funktion; etwas sehr Bedeutungsvolles, und zwar so, wie du bist.

Hätte Gott einen Buddha gewollt, dann hätte er so viele Buddhas produzieren können, wie er wollte. Er erschuf nur einen Buddha, das war genug. Seither hat er keinen zweiten Buddha und auch keinen zweiten Christus erschaffen. Stattdessen hat er dich erschaffen. Bedenke, wie sehr dich das Universum damit würdigt!

Du bist auserwählt – nicht Buddha, nicht Christus, nicht Krishna. Du wirst im Moment mehr gebraucht; das ist der Grund. Sie haben ihre Arbeit schon getan; sie haben die Existenz mit ihrem Duft beschenkt; nun bist du hier, um deinen Duft beizutragen.

Aber Moralisten, Puritaner und Priester haben seit jeher mit ihren Lehren den Menschen den Kopf verdreht. Der Rose schreiben sie vor: „Werde wie ein Lotos.“. Und dem Lotos werfen sie vor: „Was tust du da? Du musst etwas anderes werden“ Sie machen den ganzen Garten verrückt. Alle sterben deshalb allmählich ab, denn niemand kann jemand anderes sein – es ist ausgeschlossen

Genau das ist mit der Menschheit geschehen. Alle geben vor, etwas anderes zu sein. Das Echte ist verloren gegangen, die Wahrheit ist verloren gegangen. Jeder versucht zu zeigen, dass er anders ist. Schau dich selbst an: Du gibst vor, jemand anderes zu sein. Dabei kannst du nur du selbst sein. Es ist nicht möglich und ist auch nie möglich gewesen, dass du ein anderer wirst. Du bist und bleibst du selbst. Du kannst es genießen und voll aufblühen, oder du kannst es verurteilen und welkst dahin.(osho)
 

Samstag, 12. Juni 2010

Meditation für den Tag: Was niemals stirbt

Die trauernde Mutter und die Senfkörner

Achte jeden Augenblick darauf, was du im Leben ansammelst: Wird es dir mit dem Tod wieder weggenommen? Wenn ja, brauchst du dir darum keine Sorgen zu machen. Und für das, was einem der Tod nicht wegnehmen kann, kann man sogar sein Leben opfern, denn eines Tages wird das Leben unweigerlich vorbei sein. Bevor dies Leben vorbei ist, nutze jede Gelegenheit um herauszufinden, was niemals stirbt.

Zur Zeit Buddhas war der Mann einer jungen Frau gestorben. Eigentlich wollte sie Sati begehen, sich ins Feuer des Scheiterhaufens ihres toten Mannes stürzen, aber sie hatte ein kleines Kind, das sie daran hinderte. Für dieses Kind musste sie leben. Dann starb jedoch auch noch ihr Kind. Das war zu viel. Sie wurde fast wahnsinnig und fragte jeden, den sie traf: „Gibt es irgendwo einen Arzt, der meinen Sohn wieder lebendig machen kann? Ich habe nur für ihn gelebt; nun ist mein Leben nur noch Dunkelheit.“ Da Buddha gerade auf der Durchreise durch die Stadt war, sagten die Leute zu ihr: „Bring dein Kind zu Buddha. Erzähle ihm, dass du für dieses Kind gelebt hast und es nun gestorben ist. Bitte ihn: ,Rufe ihn wieder ins Leben zurück, denn du bist doch ein so großer Erleuchteter. Erbarme dich meiner!’

Sie ging zu Buddha, legte den Leichnam des Kindes zu seinen Füßen nieder und sagte: „Rufe ihn zurück ins Leben! Du kennst alle Geheimnisse des Lebens. Du hast den höchsten Gipfel der Existenz erreicht. Kannst du nicht für eine arme Frau ein kleines Wunder vollbringen?“

Buddha erwiderte: „Ich werde es tun, aber unter einer Bedingung.“ „Ich werde jede Bedingung erfüllen,“ sagte sie. Buddha: „Die Bedingung ist folgende: Geh durch die Stadt und bringe von jedem Haus, wo noch nie jemand gestorben ist, ein paar Senfkörner.“

Die Frau verstand nicht, was dahinter steckte. Sie ging zum ersten Haus, und man sagte ihr: „Ein paar Senfkörner? Wir können ein paar Ochsenkarren voller Senfkörner herbeischaffen, wenn Buddha deinen toten Sohn wieder zum Leben erweckt. Aber in unserer Familie haben wir den Tod schon so oft erlebt…“ Es war nur ein kleines Dorf und sie ging von Haus zu Haus. Alle waren bereit: „Wie viele Senfkörner willst du haben?“ Aber die Bedingung war nicht zu erfüllen, da der Tod in jeder Familie schon so oft gewesen war…

Am Abend hatte sie begriffen, dass jeder, der geboren wird, auch sterben muss. Wozu sollte also gerade sie ihr Kind zurückbekommen? Es würde ohnehin wieder sterben. Sie sah ein, dass es besser ist, für sich selbst das Ewige zu suchen – das, was niemals geboren wird und niemals stirbt. Sie kehrte mit leeren Händen zurück.

Buddha fragte: „Wo sind die Senfkörner?“ Sie lachte. Am Morgen war sie weinend zu ihm gekommen; nun lachte sie. Sie sagte: „Du hast mich überlistet! Jeder, der geboren wird, muss auch sterben. Es gibt auf der ganzen Welt keine Familie, in der niemand gestorben ist. Ich möchte nun nicht mehr, dass mein Sohn wieder zum Leben erweckt wird – wozu? Es geht nicht mehr um das Kind. Weihe mich ein in die Kunst der Meditation, damit ich in das Land, in den Raum der Unsterblichkeit gehen kann, wo Geburt und Tod niemals stattgefunden haben.“

Das nenne ich ein echtes Wunder. Er beseitigte das Problem mitsamt der Wurzel.

Mittwoch, 9. Juni 2010

Meditation für den Tag: Erleuchtung

Was auch immer du tust, tue es mit großer Aufmerksamkeit; dann werden selbst kleine Dinge heilig. Dann werden selbst Kochen oder Putzen heilig; sie werden zu einem Akt der Anbetung. Es geht nicht darum, was du machst, die Frage ist, wie du es machst. Du kannst den Boden reinigen wie ein Roboter, wie ein mechanisches Gerät; du musst ihn putzen, also putzt du ihn – aber auf diese Weise entgeht dir etwas sehr Schönes. Den Boden zu reinigen hätte eine große Erfahrung werden können – aber du hast sie verpasst; der Boden ist jetzt zwar sauber, aber etwas, das in dir hätte passieren können, fand nicht statt. Hättest du bewusst und aufmerksam gehandelt, wäre nicht nur dem Boden, sondern auch dir selbst eine tiefe Reinigung zuteil geworden.

Putze den Boden mit großer Bewusstheit, leuchte vor Bewusstheit. Arbeite oder sitze oder gehe, eines jedoch sollte sich wie ein roter Faden durch deine Handlungen ziehen: Bring mehr und mehr Bewusstheit in jeden einzelnen Moment deines Lebens. Lass die Kerze der Bewusstheit in jedem Augenblick brennen, bei jeder Handlung.
Zusammengenommen führt dies zu Erleuchtung. Dieser Gesamteffekt, alle Momente aufaddiert, alle kleinen Kerzen zusammen, verwandeln sich in eine große Quelle des Lichts.