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Namasté

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Montag, 28. Juni 2010

Zeugenarbeit


Clara gab nicht nach. Sie blieb entschieden dabei, die Rekapitulation sei ein magischer Akt, bei dem der Wille und der Atem eine entscheidende Rolle spielten. «Das Atmen sammelt Energie und läßt sie zirkulieren», erklärte sie. «Dann wird sie vom vorgegebenen Willen der Rekapitulation gelenkt, nämlich uns aus unserer biologischen und sozialen Gebundenheit zu befreien. Der in der Rekapitulation liegende Wille ist ein Geschenk der alten Seher an uns, die diese Methode entwickelt und an ihre Nachfolger weitergegeben haben. Wer die Rekapitulation macht, muß zusätzlich seinen eigenen Willen einbringen, aber der ist nicht mehr als der Wunsch oder das Bedürfnis, die Rekapitulation zu machen. Der Wille zu dem, was sie am Ende bewirken soll, vollkommene Freiheit, wurde von diesen Sehern der fernen Vergangenheit geschaffen. Und da er unabhängig von uns entstand, ist er ein unschätzbar wertvolles Geschenk.» «Die Rekapitulation», erläuterte Clara weiter, «macht uns einen ganz entscheidenden Zug unserer selbst offenbar: daß wir vor jeder Handlung einen winzigen Augenblick lang wissen, wohin sie führen wird und wie es um unsere Chancen, Motive und Erwartungen bestellt ist. Dieses Wissen ist immer unbequem und unbefriedigend, weshalb wir es augenblicklich unterdrücken». «Wie meinen Sie das, Clara?» «Ich meine das so, daß Sie beispielsweise für einen Sekundenbruchteil wußten, was für ein tödlicher Fehler es sein würde, auf die Kampfbahn zu springen und die ganze Vorführung zu verderben, aber diese unmittelbare Gewißheit haben Sie aus verschiedenen Gründen sofort unterdrückt. Sie wußten ebenfalls für einen Augenblick, daß Sie mit dem Karate nur deshalb aufhörten, weil Sie beleidigt waren, als Lob und Anerkennung ausblieben. Sie haben dieses Wissen gleich unter einer Erklärung verschwinden lassen, die Sie selbst in einem besseren Licht erscheinen ließ: daß Sie die Heuchelei anderer satt hatten.» «Dieser Augenblick des unmittelbaren Wissens», sagte sie, «wurde von den Menschen, denen wir die Rekapitulation verdanken, "der Seher" genannt, weil wir hier mit ungetrübtem Blick unmittelbare Einsicht in die Dinge gewinnen. Doch so klar und richtig die Einschätzungen des Sehers auch sein mögen, wir achten nicht auf ihn und geben ihm keine Chance, uns zu erreichen. Und da wir ihn ständig unterdrücken, unterbinden wir sein Wachstum und verhindern, daß er seine Möglichkeiten voll entwickelt». «Am Ende ist der Seher in uns voller Bitterkeit und Haß», fuhr Clara fort. «Die alten Weisen, die Erfinder der Rekapitulation, glaubten, daß der Seher uns schließlich vernichtet, weil wir einfach nicht aufhören, ihn zu knebeln. Aber sie sagen uns auch, daß wir den Seher durch die Rekapitulation wachsen lassen können, damit er zu dem wird, was er eigentlich sein soll.» «Mir war noch nie so recht klar, was es mit der Rekapitulation auf sich hat», sagte ich. «Der Zweck der Rekapitulation besteht darin, dem Seher die Freiheit zu sehen zurückzugeben. Wir lassen ihn tun, was er zu tun hat, und damit können wir ihn ganz gezielt zu einer ebenso geheimnisvollen wie wirkungsvollen Kraft machen, die uns schließlich zur Freiheit führt, anstatt uns in den Untergang zu treiben. Deshalb sage ich Ihnen immer, Sie sollen mir erzählen, was Sie beim Rekapitulieren herausfinden. Sie müssen den Seher an die Oberfläche bringen, Sie müssen ihn sprechen lassen, damit er sagen kann, was er sieht.» Es fiel mir nicht schwer, sie zu verstehen und ihr zuzustimmen. Ich wußte sehr wohl, daß da etwas in mir ist, was immer genau Bescheid weiß. Ich wußte auch, daß ich diesen Ratgeber unterdrückte, weil die Dinge, die er mir sagte, meist nicht das waren, was ich erwartete oder hören wollte.

Taisha Abelar, Die Zauberin

Sonntag, 27. Juni 2010

Die Last

Das wahre Leben eines Menschen beginnt, wenn er sich von der Lüge befreit, die ihm andere aufgebürdet haben. Entblößt, nackt und natürlich ist er so, wie er ist. Es geht darum, wie man ist, nicht wie man wird. Lüge kann keine Wahrheit werden, die Persönlichkeit kann keine Seele werden. Das Unwesentliche kann nicht wesentlich werden. Unwesentliches bleibt unwesentlich; das Wesentliche bleibt wesentlich – sie sind nicht austauschbar. Und das Streben nach Wahrheit stiftet nur mehr Verwirrung. Wahrheit kann nicht erlangt werden; sie ist schon da. Nur die Lüge müssen wir abstreifen.Alle Ziele und Zwecke, Ideale und Absichten, Ideologien, Religionen und Morallehren sind Lügen. Hüte dich davor. Erkenne, daß du so, wie du bist, eine Lüge bist – von andern manipuliert und gezüchtet. Das Streben nach Wahrheit ist Ablenkung, ein Aufschub, um die Lüge zu verbergen. Erkenne die Lüge, schau dir die Lüge deiner Persönlichkeit genau an. Denn wenn du die Lüge siehst, verschwindet sie. Nicht mehr zu lügen heißt, nicht mehr nach Wahrheiten zu suchen; es ist unnötig. Wenn die Lüge fort ist, ist die Wahrheit in strahlender Schönheit da. Wenn die Lüge erkannt wird, verschwindet sie. Die Wahrheit bleibt.
Osho This Very Body The Buddha Chapter 6


Wenn wir eine Last herumschleppen, die uns andere aufgebürdet haben, die uns vorschreibt, was wir tun sollten und was nicht, sind wir wie ein erschöpfter Mensch, der sich den Berg hinauf quält. Er hat einen Tyrannen im Nacken sitzen, der ihn ständig antreibt: "Schneller! Streng dich mehr an, du mußt den Gipfel erreichen!" Auf dem Kopf des Tyrannen thront majestätisch ein Hahn.Wenn sich dein Leben im Moment wie ein ständiger Kampf von der Wiege bis zur Bahre anfühlt, ist es vielleicht Zeit, die Kerle auf deinem Rücken mit einem Achselzucken abzuschütteln. Du hast genug mit dir selbst zu tun, deine eigenen Berge zu besteigen und Träume zu erfüllen, doch du wirst nie die Kraft dazu haben, wenn du dich nicht von den Erwartungen anderer befreist, die du für deine eigenen hältst. Wahrscheinlich existieren sie nur in deinem Kopf, dennoch belasten sie dich. Mach dir das Leben leichter und laß sie gehen.

Samstag, 26. Juni 2010

Möglichkeiten

Der Verstand kann überall Grenzen akzeptieren. Aber in Wirklichkeit kann die Existenz schon von Natur aus keine Grenze haben. Denn was soll jenseits der Grenze sein? Wieder ein Himmel. Darum sage ich, daß dir für deinen Höhenflug ein unendlich weiter Himmel zur Verfügung steht.Laß dich nicht so einfach zufriedenstellen. Leute, die sich leicht zufriedenstellen lassen, bleiben klein. Ihre Freude ist klein, ihre Ekstase ist klein, ihre Stille ist klein, ihr Wesen ist klein.Aber das ist gar nicht nötig!Wenn du dich so klein machst, beschneidest du dir selbst deine Freiheit, deine unbegrenzten Möglichkeiten, dein grenzenloses Potential.
Osho Live Zen Chapter 2

Freitag, 25. Juni 2010

Die Quelle

Zen fordert dich auf, aus deinem Kopf herauszukommen und an die Quelle zu gehen. Man ist sich im Zen durchaus bewußt, daß Energie im Kopf auch nützlich sein kann, aber wenn alle Energie im Kopf genutzt wird, wird einem nie bewußt, daß man ewig ist….Du wirst nie aus Erfahrung wissen, was es heißt, mit dem Ganzen eins zu sein.Wenn die Energie genau in der Mitte ist, pulsiert und nirgendwohin geht, weder in den Kopf noch ins Herz, sondern einfach an ihrer Quelle ist, von wo das Herz und der Kopf sie holen, wenn sie an der Quelle selbst pulsiert – dann ist das der Zustand von Zazen.Zazen heißt "einfach Sitzen", und zwar an der Quelle selbst, ohne irgendwohin zu gehen. Dann entsteht eine ungeheure Kraft, eine Verwandlung von Energie in Licht und Liebe, in ein größeres Leben, in Mitgefühl, in Kreativität. Sie kann viele Formen annehmen. Aber zuerst mußt du lernen, wie du an die Quelle kommst. Dann wird die Quelle entscheiden, wo dein Potential ist. Du kannst dich an der Quelle entspannen, und sie bringt dich zu deinem eigenen Potential.
Osho The Zen Manifesto: Freedom from Oneself Chapter 11



Wenn wir sagen, wir sind "geerdet" oder "in unserer Mitte", meinen wir diese Quelle. Wenn wir kreativ sein wollen, stimmen wir uns auf diese Quelle ein. Diese Karte erinnert uns an das gewaltige Energiereservoir, das uns zur Verfügung steht. Wir können es nicht durch Denken oder Planen anzapfen, sondern nur wenn wir so ausgeglichen und still in unserer Mitte ruhen, daß wir mit der Quelle in Verbindung treten. Sie ist in jedem von uns vorhanden, wie ein persönliche Sonne, die uns Leben und Nahrung spendet. Es ist reine, pulsierende Energie, die uns jederzeit zur Verfügung steht, wenn wir eine Leistung erbringen müssen, und uns wieder heimkehren läßt, wenn wir ausruhen wollen. Wenn du jetzt etwas Neues beginnst und Inspiration brauchst oder wenn du gerade etwas beendet hast und ausruhen möchtest – geh an die Quelle. Sie ist immer für dich da. Du brauchst nicht einmal nach draußen gehen, um sie zu finden.

Donnerstag, 24. Juni 2010

Der Meister

Meister lehren nicht nur die Wahrheit; die kann man nicht lehren. Sie vermitteln etwas, das über Schriften und Worte hinausgeht. Er ist eine Übertragung - Energie, die Energie in dir erzeugt. Es ist eine Art Synchronizität.

Du musst dich dem Meister mit grosser Liebe, mit grossem Vertrauen und einem offenen Herzen nähern. Du weisst nicht, wer du bist. Er weiss, wer er ist; er weiss, wer du bist. Von der Raupe kann man sagen, sie weiss nicht, dass sie ein Schmetterling werden kann. Ihr seid Raupen - Bodhisattvas Alle Raupen sind Bodhisattvas, und alle Bodhisattvas sind Raupen. Ein Bodhisattva ist einer, der zum Schmetterling werden kann, der zum Buddha werden kann. Im Kern, in seiner Essenz, ist er bereits ein Buddha.

Die Beziehung zwischen Meister und Schüler ist wie die Beziehung zwischen Raupe und Schmetterling, eine Freundschaft zwischen Raupe und Schmetterling. Der Schmetterling kann nicht beweisen, dass die Raupe zum Schmetterling werden kann, es gibt keinen logischen Grund dafür. Aber der Schmetterling kann in der Raupe Sehnsucht auslösen. Das ist möglich.
Osho Ah, This! 1

Im Zen ist der Meister kein Meister über andere, sondern ein Meister seiner selbst. Jede seiner Gesten und jedes Wort, das er spricht, sind Ausdruck seiner Erleuchtung. Er hat kein persönliches Ziel, keinen Wunsch, dass irgend etwas anders sein soll, als es ist. Seine Schüler versammeln sich um ihn, nicht um ihm zu folgen, sondern um sich von seiner Gegnwart erfüllen und von seinem Beispiel inspirieren zu lassen. In seinen Augen finden sie ihre eigene Wahrheit widergespiegelt, in seiner Stille lassen sie sich leichter in ihre eigene Stille fallen. Der Meister nimmt Schüler an, nicht weil er sie führen will, sondern weil er so viel zu geben hat. Gemeinsam schaffen sie ein Energiefeld, das jeden einzelnen darin untersützt, sein eigenes Licht zu finden.

Mittwoch, 23. Juni 2010

Vollendung

Das ist der Weg des Zen, die Dinge nicht ganz bis zur Vollendung auszusprechen. Das muß verstanden werden; es ist eine ganz wichtige Methode. Wenn man nicht alles ausspricht, gibt man dem Zuhörer die Gelegenheit, es zu vollenden. Alle Antworten sind unvollständig. Der Meister hat dir nur die Richtung gewiesen… Wenn du an die Grenze kommst, weißt du, was noch offen bleibt.Wer jedoch versucht, Zen intellektuell zu verstehen, wird scheitern. Es ist nicht die Antwort auf die Frage, sondern mehr als eine Antwort. Zen weist auf die Wirklichkeit hin… Die Buddhanatur ist nicht weit entfernt: Dein eigenes Bewußtsein ist Buddhanatur. Und dein Bewußtsein ist Zeuge der Dinge, aus denen die Welt besteht. Die Welt wird untergehen, aber der Spiegel bleibt und wird nichts wiederspiegel.
Osho Joshu: The Lion's Roar Chapter 5


Hier findet das letzte Stück des Puzzlespiels seinen Platz, die Stelle des Dritten Auges, der inneren Wahrnehmung. Selbst im Strom des Lebens, der sich ewig wandelt, gibt es Augenblicke, in denen wir Vollendung erreichen. In diesen Momenten sind wir in der Lage, das ganze Bild zu sehen, das aus all den kleinen Teilen besteht, die unsere Aufmerksamkeit so lange beansprucht haben. Am Schluß können wir entweder verzweifelt sein, weil wir nicht wollen, daß etwas zuende geht, oder wir können dankbar sein und die Tatsache akzeptieren, daß alles im Leben ein Ende hat – und einen neuen Anfang.Was immer deine Zeit und Energie in letzter Zeit beansprucht hat, geht jetzt zuende. Wenn du es vollendest, schaffst du Raum für einen neuen Anfang. Nutze diese Zeit, um beides zu feiern – das Ende des Alten und den Beginn von etwas Neuem.

Dienstag, 22. Juni 2010

Das Einfältige Herz

Meditation für den Tag: Das Einfältige Herz

Das Herz hat seine eigene Vernunft, die der Verstand nicht begreifen kann. Das Herz hat seine eigene Dimension des Seins, die für den Verstand völlig im Dunkeln liegt. Das Herz ist etwas Höheres als der Verstand – und etwas Tieferes; es liegt außerhalb seiner Reichweite. Es wirkt einfältig. Liebe sieht immer einfältig aus, weil sich die Liebe nicht am Nutzen orientiert. Der Verstand ist Zweck orientiert, auf ein Ziel hin. Er macht alles zum Mittel. Und Liebe kann nicht zum Mittel gemacht werden, das ist das Problem. Liebe ist sich selbst das Ziel.


Die verrückte Weisheit des Heiligen Franz von Assisi

Nachdem der Heilige Franziskus erleuchtet war, nannte er sich „den Narren Gottes“. Der Papst war damals ein weiser Mann, aber als er Franziskus begegnete, dachte auch er, dass dieser Mann verrückt geworden war. Er war ein intelligenter, schlauer und berechnender Mann – wie hätte er sonst Papst werden können? Um Papst zu werden, muss man die Politik beherrschen. Um Papst zu werden, muss man diplomatisch sein und aggressiv seine Ellenbogen benutzen, um andere beiseite zu schieben, um andere als Sprossen auf der Leiter zu benutzen und sie wieder loszuwerden. Es ist reine Politik, denn ein Papst ist ein politischer Kopf. Die Religion ist für ihn zweitrangig oder völlig unwichtig. Wie kann ein wirklich religiöser Mensch um einen Posten kämpfen und aggressiv sein? Das sind immer nur Politiker.

Franz von Assisi besuchte den Papst, und der Papst war überzeugt, dass dieser Mann ein Narr sei. Aber die Bäume, die Fische und die Vögel waren anderer Meinung. Wenn der Heilige Franziskus an einen Fluss kam, machten die Fische Luftsprünge vor Freude, dass er gekommen war. Tausende von Menschen konnten es bezeugen: Millionen Fische sprangen gleichzeitig in die Luft – der ganze Fluss, war vor lauter springenden Fischen nicht mehr zu sehen! Der Heilige Franziskus war gekommen und die Fische waren glücklich. Wo immer er hinging, folgten ihm die Vögel und saßen auf seinen Schenkeln, auf seinem Körper, auf seinem Schoß. Sie verstanden diesen Narren besser als der Papst. Selbst Bäume, die ausgetrocknet und fast abgestorben waren, wurden grün und blühten wieder, wenn Franziskus in ihre Nähe kam. Diese Bäume hatten begriffen, dass dies kein gewöhnlicher Narr war, sondern der Narr Gottes.