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Samstag, 2. Oktober 2010

Tao Te Karl ---Karl Renz (Leseprobe 2 !)

Sein und Nichtsein
erzeugen einander
Das macht Spaß!


Sein und Nichtsein erzeugen einander.
Schwer und Leicht vollenden einander.
Lang und Kurz gestalten einander.
Hoch und Tief verkehren einander.

Wo Gott wach wird, muss er sich absolut verwirklichen. Er kann sich
nicht ein bisschen verwirklichen oder nur so-und-so verwirklichen. Er
kann sich zum Beispiel nicht nur schlau verwirklichen. Er muss genauso
viel Dummheit wie Weisheit verwirklichen. In dieser vollkommenen Balance.
Also muss genauso viel Liebe wie Hass sein. Genauso viel Wahrheit
wie Unwahrheit. Genauso viel Dunkelheit wie Licht. Es ist immer
vollkommene Harmonie in dieser polar erscheinenden Verwirklichung
Gottes.
Sobald du zu einem relativen Objekt von gefundenem Sein geworden
bist, findest du dich einmal schlau, einmal dumm; gestern gut,
heute schlecht; abends schön, morgens hässlich. Diesen ‚Wahn-Sinn‘
gibt es ungefähr sechs Milliarden mal auf der Welt.
Der indische Weise Nisargadatta sagte einmal: „Es gab eine Zeit, als
ich dem Wahnsinn verfallen war, etwas Geborenes zu sein und damit
Milliarden andere geschaffen zu haben. Dann eine Zeit, wo ich das ‚Ich
bin’ als Realität empfand und es allen anderen weitergeben wollte. Ich
dachte, sie sollten das auch erfahren. Doch seit der scheinbaren Realisation
dessen, dass es nichts zu realisieren gibt und das Sein ewig realisiert
ist, gibt es weder mich noch andere, also auch kein ‚Ich bin’ und
keinen, dem ich etwas erzählen könnte.“

Frage:
Wenn der Körper Karl Renz weg ist, dann ist da nichts mehr?
Karl:
War da jemals ein Körper? Du kannst höchstens sagen, da ist eine
Energie, die sich ständig transformiert. Aber die Energie ist immer
dieselbe, so wie sie hier und jetzt ist. Da hat sich nie etwas getan.
Durch all die Veränderungen hat sich das, was dieser Körper ist, nie
verändert. Und das wird sich immer weiter verändern, es wird absolut
kein Ende geben. Und das, was du diesen Körper nennst, der
scheinbar geboren ist, der wird sich dann vielleicht als Wurm weiterwurmen.
Warum soll dich das jetzt schon wurmen?
Was hier geschieht, ist einfach Entertainment des Seins. Es muss
nichts dabei raus kommen. Das macht Spaß. Spaß muss sein. Und
wo Spaß ist, muss auch Ernst sein. Und wo Ernst ist, muss auch
Ernestine sein. Und wo Ernestine ist, schläft das Sein ein vor Langeweile.
Oder es macht einen Luftsprung. Oder spielt Schach mit dem
Nichtsein. Denn wo Sein ist, muss auch Nichtsein sein. Materie und
Antimaterie. Und zwar immer gleich viel. Beides. Und nichts davon.
Sein und Nichtsein bedingen einander. Sei froh, du Wurm!

Freitag, 1. Oktober 2010

Tao Te Karl ---Karl Renz (Leseprobe 1 !)

Das Tao, das sich aussprechen
lässt, ist nicht das ewige Tao
Einer bleibt übrig

Das Tao, das sich aussprechen lässt,
ist nicht das ewige Tao.
„Nichtsein“ nenne ich den Anfang von Himmel und Erde,
„Sein“ nenne ich die Mutter der Einzelwesen.
Beides ist eins dem Ursprung nach
und nur verschieden durch den Namen.

Das Tao, über das man sprechen kann, kann nicht das Tao sein. Was
man über das Tao sagen kann, kann nicht sein, was das Tao ist. Egal wie
du es definierst: endlich, unendlich, anwesend, abwesend, Ich, ichlos,
Sein, DAS, was auch immer. Es trifft nie.
Du könntest auch ‚Unterhose’ sagen. Für mich trifft ‚Unterhose’ es
am besten. Das hier ist der Mantel, und die Unterhose ist immer darunter.
Es gibt, was es nicht gibt; die Existenz, die nicht existieren muss, um zu
existieren. Dieses Paradox, das auch ist, wenn es nicht ist.
Das sind alles nur Worte, die auf etwas hinweisen, das keinen Hinweis
braucht. Alle Paradoxien, die du aufbaust, sind für die Katz. Gott
sei Dank.
Was immer du sagst, es ist ein Satz zuviel. Doch weil er ohnehin
zuviel ist, kannst du ihn ruhig sagen. Weil alles Lüge ist. Egal, ob du
sagst: ich weiß nur, dass ich nichts weiß. Es stimmt nie. Und das stimmt
eigentlich immer. Es wäre fatal, wenn es einmal stimmen würde, wenn
es findbar wäre, wenn es stimmig gemacht werden könnte, wenn der
Frieden, der du bist, findbar wäre in der Wahrheit eines Satzes oder
einer Erkenntnis.
Frage:
Ich habe schon erlebt, dass es mich nicht mehr gab. Da war keiner
mehr. Kein ,Ich bin’. Da war keiner mehr, von dem ich hätte sagen
können: Ich. Alles war weg.
Karl:
Na, ist doch schön! Und trotzdem war es noch ein Umstand. Du
kannst ihn beschreiben. Es ist nicht das, wovon ich rede. Ich rede
von dem, was keinen Umstand kennt.
Du würdest diesen Umstand von Nichtsein der Existenz vorziehen,
stimmt doch? Er hat dir gut gefallen. War ganz schön, oder?
Doch es gab in der Abwesenheit des Ich immer noch einen, der das
registriert hat. Egal wie vage oder von fern. Dieser Eine ist immer
noch zuviel. Der Nichtdefinierte ist immer noch etwas Definiertes.
Wenn ich über das rede, was deine Natur ist, die Natur von Sein,
dann meine ich das, was in allen Umständen ist, was es ist. Es ist
das, was Gewahrsein ist. Wenn da ,Ich bin’ ist, dann ist es ,Ich bin’.
Und wenn es die Welt ist, ist es die Welt. Wenn ich hier sitze, kann
ich sagen: Ich bin das. Ich bin immer das, was ist. Es gibt keinen,
der sich in der Abwesenheit von einem Ich als Besonderheit empfindet.
Das, was man beschreiben kann, was man ergründen, erleben,
erfahren kann, kann es nicht sein. Und fertig.
Sollen wir darüber etwa ein Buch schreiben? Auf keinen Fall.
Aber warum auch nicht!

Donnerstag, 30. September 2010

Karl Renz Interview vom 13.08.01


Was ist Erleuchtung?
Die spontane Erkenntnis, vor "Allem und Nichts" zu SEIN.
Vollkommen unvorbereitet, trotz und nicht wegen der Suche nach Erkenntnis.
Das Erscheinen des "ewigen Jetzt".
Die Abwesenheit des "Ich" und damit jeglicher Konzepte von Trennung oder Verbindung, Geburt und Tod, Gott und Welt, Kommen und Gehen.
Das ABSOLUTE ist sich seiner SELBST gewahr und ist damit das, was ist.
Reine Selbsterkenntnis in dem Erkennen, dass alles, was erkennbar ist, falsch ist. Dazu gehört auch das, was ich gerade über Erleuchtung oder Wahrheit gesagt habe.
Der absolute Tod von Zeit und allem, was scheinbar in Zeit ist. Es sind Hinweise auf das was keine Erkenntnis oder Erleuchtung braucht, um das zu sein was ist, und das ist, was "Du" bist.
Absolutes SEIN in unstörbarer Harmonie.

Wie hat Deine Suche nach Erleuchtung oder Wahrheit begonnen?
Was war Dein persönlicher Weg oder deine Erfahrung?
Schon als Kind machte ich sehr geteilte Erfahrungen. In dem einen Moment war ich vollkommen losgelöst und in uneingeschränkter Harmonie mit der Welt, im nächsten in tiefster Depression mit dem Wunsch nach Auflösung, nach Sterben; entweder himmelhoch jauchzend oder zu Tode betrübt.
Natürlich wollte ich nur in der angenehmen Erfahrung verweilen. So fing ich an danach zu suchen. Es war also nicht die Suche nach Wahrheit oder Erleuchtung, sondern nach dem uneingeschränkten Glück, nach dem Ende des Leidens. Ich suchte nach geeigneten Mitteln oder Werkzeugen in der Welt. Zuerst war es der Sex und daraus die Erfahrung, dass der sogenannte kleine Tod (Orgasmus) nur eine sehr flüchtige Erfüllung bedeutet und vom Partner abhängig, also keine Lösung ist.
Dann Erfahrungen mit Drogen, die kurzfristig einen Zustand der Leidfreiheit erzeugen können. Sobald aber die Wirkung nachlässt, ist da umso mehr Leiden. Zuwendung oder Liebe von Freunden, Familie und Partnern verloren ebenfalls ihre Bedeutung in dem Erkennen, das mein Befinden nichts mit ihrem Verhalten zu tun hatte, und das Problem sich so auch nicht lösen ließ.

Dann begann ich, esoterische Bücher zu lesen: alles über Religionen, Schamanen, Magie etc. Lange war ich fasziniert von Castaneda und Don Juan und dieser Idee von Freiheit.
Bis ich mir Ende der 70er Jahre im Traum spontan bewusst wurde, zu träumen. Ich erinnerte mich an diese Don Juan Technik, bei der man seine Hände betrachtet. Also hob ich meine Hände und fing an, sie zu untersuchen. Plötzlich wurde etwas wach in mir, was scheinbar geschlafen hatte, und in diesem Erwachen fingen erst meine Hände, dann der ganze Körper an, sich aufzulösen. Ich erkannte den Tod und in dem Erkennen tauchte plötzlich Angst a
uf. Also begann ich um mein Leben zu kämpfen, wie ich noch nie in meinem Leben um etwas gekämpft hatte. Eine unerklärliche Kraft war im Begriff, mich auszulöschen, wobei sie sich als unendliches schwarzes Nichts in der Wahrnehmung zeigte. Obwohl ich im Bett erwachte, hörte der Kampf nicht auf. Dann geschah die plötzliche Akzeptanz dieser Auflösung und aus dem vorher dunklen Nichts wurde gleißendes Licht und ich dieses Licht seiend. Ein in sich selbst leuchtendes Licht.
Nach einer Ewigkeit wurde langsam aus dem Licht wieder die normale Wahrnehmung von Karl und der Welt. Alles schien wie vor diesem Erlebnis, doch die Wahrnehmung hatte sich absolut gelöst von dem, was wahrgenommen wurde. Totale Distanz und Fremde zur Welt waren da.
"Dies ist nicht mein Zuhause," war der einzige Gedanke. Das MEIN verlor sich in der Ichlosigkeit.
Mit diesem Erwachen des kosmischen Bewusstseins hatte der Prozess der Auflösung des Konzeptes "Karl" begonnen. In diesem Gewahrsein der Falschheit der Erfahrungen und ihrer Traumhaftigkeit war es nur noch eine Frage der Zeit, bis die persönliche Geschichte und damit die Geschichte des gesamten Universums in diesem Feuer des Gewahrseins verbrannten.
Dieser Prozess vom "Individuellen zum Kosmischen Bewusstsein", vom Persönlichen zum Unpersönlichen Bewusstsein, der als Erleuchtung bezeichnet wird, ist immer einmalig, kann weder wiederholt noch nachgeahmt werden. So wie es nur ein absolutes Sein gibt, so ist jede Erfahrung absolut einmalig.
Lange Zeit war dieses unpersönliche Bewusstsein mein Zuhause, aus einem KO (Koma) war OK (Amok) geworden. Ich war ein wandelndes NICHTS. Absolut identifiziert mit diesem NICHTS.
Der Besitzer vom NICHTS. Das kleine Ich war sehr groß geworden, ein überdimensionales NICHTS. Wie der Hintergrund, der den Vordergrund als Illusion betrachtete. Eine Illusion betrachtete eine andere Illusion. Der sogenannte ZEUGE, die Weisheit, die sagt: ich bin NICHTS.
Es gab scheinbar etwas, das dieses "nicht sein" als Vorteil ansah, und somit war da auch eine unterschwellige Angst, diesen Vorteil der Klarheit zu verlieren. Bis Mitte der 90er Jahre, von jetzt auf jetzt, das absolute Erkennen geschah, die einfache Erkenntnis, wie ein kleines Aha: Ich bin das, was ist. Ich bin das, was nie etwas anderes sein kann oder war als das "Selbst". Das Selbst ist und nichts als das Selbst ist. In der Selbsterkenntnis oder der Realisation des "SELBST" ist absolute "Akzeptanz".
Das Absolute "IST" in der persönlichen wie in der unpersönlichen Erfahrung, es ist immer das Absolute Selbst, und es gab nie die Notwendigkeit von Erleuchtung. Das Selbst ist ewig realisiert und das was in der Realisation (Verwirklichung der Wirklichkeit) als Bewusstsein erscheint, wird sich nie realisieren. In diesem Sinne gab es nie einen Unerleuchteten und somit auch keine Notwendigkeit von Erleuchtung.



Hat sich irgendetwas in deinem Leben verändert seit der Entdeckung der Wahrheit?
Seit der Todeserfahrung ende der 70er, hat sich das Bewusstsein grundlegend verändert. Der gesamte Energiekörper ,jede Zelle ,war einem teilweise sehr schmerzhaftem Prozess unterworfen. Seit dem Tod des Besitzers ,ist jede Zelle in sich selbst erwacht. Doch was erwachen kann, kann auch wieder einschlafen ,nichts bleibt wie es ist. Also weder Vor- noch Nachteil. Sensationen in der Zeit.
Die grundlegende Erkenntnis war, dass es kein MEIN oder DEIN Leben gibt oder je gegeben hat,
dass das was wahrhaftig ist, weder lebt noch nicht lebt. Das was wir Leben nennen, verändert sich ständig. Der Traum und seine traumhaften Zustände sind scheinbar einem ständigen Wandel unterworfen, also verändert sich auch der im Traum erscheinende Körper und die ganz Welt.
Doch das, was ist, war schon immer und wird immer sein, in unendlichen Variationen, einer ewigen Realisation des "Realen". Ungestörter Frieden des Seins. Und ich bin das.

Hattest Du einen Lehrer? Ist es wichtig einen Lehrer /Guru zu haben?
Was ist die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler? Hast Du Schüler?
Nein, ich hatte nie einen persönlichen Lehrer. Damit das, was nicht in der Zeit ist, sich seiner selbst gewahr wird, ist nichts notwendig, das in der Zeit ist. Erwachen ist immer spontan, ohne Notwendigkeit. Man nennt es auch den göttlichen Unfall. Es erkennt sich nicht wegen, sondern trotz allem was kommt und gehen kann. Die Frage nach wichtig oder unwichtig erübrigt sich damit.
Das Selbst ist der einzige Meister, den ich kenne. Es realisiert sich sowohl im Verlieren als auch im Finden. Es ist gleichzeitig Lehrer und Schüler und gibt sich selbst immer absolute Lektionen.
Das Selbst zeigt sich selbst dem Selbst in seiner Allgegenwärtigkeit, im ewigen Jetzt.
Schüler und Lehrer bedingen sich gegenseitig, so wie auch Frage und Antwort. Aus der Wunschlosigkeit heraus erhebt sich in der Zeit ein Wunsch, und in seiner Erfüllung erlöst er sich selbst, so wie jede Frage durch eine Antwort Erlösung findet. Das ist das karmische Gesetz des Bewusstseins. Daher kein Lehrer und keine Schüler, nur Fragen und Antworten.


Ist so etwas wie "innere Arbeit/Entwicklung" nötig (z.B. mit den dunklen Seiten,
Programmen, Glaubenssätzen)? Manche Lehrer sagen, nein, denn wir sind schon frei, es gibt nichts zu tun. Was bedeutet das?
Um das zu sein, was du wirklich bist, braucht es keine Arbeit oder Entwicklung. Alle Konzepte von
Weg, Entwicklung und sogar Erkenntnis tauchen mit dem ersten Ich-Gedanken auf. Diese erste Idee kreiert die Zeit, den Raum und somit das gesamte Universum. Und solange dieser Ich-Gedanke real erscheint, was Trennung bedeutet (Zweiheit, Leiden), ist auch der Wunsch nach Einheit da und somit das Verlangen nach einem Ausweg, einem Ende des Leidens. Also bedingt diese erste ‚falsche' Idee des Ich alles Falsche, was danach folgt. Nur die Absolute Erkenntnis, vor dem Ich-Gedanken zu sein, das Falsche als falsch zu erkennen und damit die Wurzel aller Probleme zu entfernen, bedeutet das zu sein, was du bist. In dem du bist was du bist, oder besser wie du bist, absolut, vor allem und nichts, das ist die Zerstörung aller Konzepte.



Kannst du etwas über die Beziehung zwischen Mann und Frau sagen? Sie scheint so vielversprechend, beinhaltet aber soviel Schmerz. Gibt es irgendeine Möglichkeit
der wahrhaften Befreiung durch Beziehungen?
Die eigentliche Frage ist, ob es überhaupt jemanden gibt, der eine Beziehung hat und für den Befreiung notwendig ist. Jeder Wunsch nach Vereinigung (Einheit) entsteht aus der Idee von Trennung. Kann also etwas, das aus einer Lüge entstanden ist, zur Wahrheit führen? Kann das, was abhängig ist, von Natur aus tot, der Zeit unterworfen, dich zu dem machen, was du bist? Wo die Idee von Einheit auftaucht, gibt es Zweiheit, mit dem verbinden, wird getrennt, und alles kommt und geht mit etwas falschem, dem Ich. Also zurück zur Wurzel, der Frage, wem oder in was erscheint dieses Ich?


Hast du eine Lehre und wenn ja, welche?
Erkenne alles als Lüge, besonders den der alles als Lüge erkennt.


Warum führst du diese Gespräche?
Sie sind Teil oder Aspekt des Seins. Keiner spricht und keiner hört zu. Ohne Sinn und ohne Grund.
Auf die Frage nach dem Warum gibt es immer nur eine Antwort: "Warum nicht?"



Wie können wir die Lehre in unser tägliches Leben integrieren?
Das was ist bedarf keiner Integration, und das was nicht ist, wird nie integriert sein. Erkenne die vollkommene Verwirklichung der Wirklichkeit und sei, was du bist. Alles ist genau so wie es ist, weil das Sein sich so und nicht anders manifestiert hat.


Kannst du über den Tod reden, manche sagen "stirb bevor du stirbst"?
Der einzig mögliche Tod ist der Tod des Ego (die Idee der Trennung). Die Frage ist: wie kann etwas sterben, das nicht existiert? Wie kann das, was Erscheinung ist und sich nur in der Wahrnehmung, als Sensation zeigt, sterben? Durch was kann die Lüge des Getrenntseins verschwinden? Für Wen oder Was muss das gehen, was nicht ist? Nur in der absoluten Selbsterkenntnis, das zu sein was ist , untrennbar , die Wahrheit und nichts als die Wahrheit, das Selbst und nichts als das Selbst.
Die Wahrheit sich in der Wahrnehmung nur selbst wahrnimmt ,wo einzig das ist was du bist, der Traum und der Träumer eins sind im Absolutem.
Für das Absolute muss nichts gehen, denn das Absolute ist die einzige Realität. Indem das Ego als flüchtiger Schatten im ewigen Jetzt erkannt wird, hat es keine Realität mehr.


Mittwoch, 29. September 2010

Die zufällige Rekapitulation

„Eine sehr rentable Art der Übung, die allen zugänglich ist, ist die zufällige Rekapitulation. Wenn Sie darauf achten, rekapitulieren wir ohne Unterlass. Alle Erinnerungen, die unseren inneren Dialog bilden, können als solche eingeordnet werden. Jedoch rufen wir sie unfreiwillig wach. Anstatt sie in Stille zu beobachten, beurteilen wir sie und reagieren auf sie ‚aus dem Bauch heraus.’ Das ist schade. Ein Krieger nutzt die Gelegenheit, denn diese Erinnerungen, die zufällig zu sein scheinen, sind Botschaften unserer stillen Seite.“
Er wies darauf hin, dass zum Rekapitulieren keine besonderen Bedingungen notwendig sind. Man kann die Übung in jedem Moment beabsichtigen und an jedem Ort, an dem man sich dazu inspiriert fühlt.
„Die Krieger rekapitulieren im Gehen, im Bad, bei der Arbeit oder beim Essen, immer wenn es möglich ist! Das Wichtigste ist, es zu tun.“
Er fügte hinzu, dass keine festgesetzte Körperhaltung notwendig sei. Die einzige Voraussetzung ist, dass sie sich bequem fühlen, damit der physische Körper keine Aufmerksamkeit verlangt und nicht zwischen die Erinnerungen tritt.

„Wenn wir das Ereignis erst einmal gefunden und jedes seiner Teile wiedererschaffen haben, müssen wir einatmen, um die Energie wiederzugewinnen, die wir zurückgelassen haben, und die Fasern ausatmen, die die anderen in uns zurückließen. Die Atmung ist magisch, denn sie ist eine Funktion, die Leben spendet.“
Carlos erklärte uns, dass diese Art der Atmung von einer links-rechts-Bewegung des Kopfes begleitet werden sollte, die die Zauberer „das Ereignis entlüften“ nennen.
Jemand fragte, ob man von rechts nach links atmen sollte oder umgekehrt.
Er antwortete:
„Wen interessiert das schon! Es ist eine energetische Arbeit, es gibt keine feste Formel. Das, was zählt, ist die Absicht. Streben Sie sie an, wenn Sie versuchen, etwas wiederherzustellen, und atmen Sie alles aus, was nicht zu Ihnen gehört. Wenn Sie das mit Ihrer gesamten Geschichte machen, werden Sie nicht weiterhin an eine Kette von Erinnerungen gebunden leben und Sie können Ihre Aufmerksamkeit auf die Gegenwart richten. Die Seher beschreiben diesen Effekt als ‚den Tatsachen entgegensehen, wie sie sind’ oder ‚die Zeit objektiv zu sehen’.“
Sie fragten ihn, was zu tun sei, wenn man das Ereignis gefunden habe und ob es sich um eine Art psychologische Methode handelt oder so etwas ähnliches.
Er antwortete:
„Man muss nichts Bestimmtes tun. Die eigenen Erinnerungen finden ihren Weg und die Leuchtkraft ordnet sich allein durch die Atmung. Du musst es nur beabsichtigen, mach dich erreichbar; der Geist wird dir sagen, was zu tun ist.“

„Die Rekapitulation beginnt innen, sie trägt sich selbst. Es geht darum, den Verstand still werden zu lassen, und unser Energiekörper übernimmt die Kontrolle und macht das, was für ihn eine Freude ist. Es geht dir gut, sehr gut; weit davon entfernt, eine Arbeit zu sein, gibt es dir Ruhe. Dein Körper nimmt es wie ein unaussprechliches Energiebad wahr.“

Dienstag, 28. September 2010

Ankhen, ägyptisches Tantra

Aus ihrer Sicht (Ägypter/Atlanter) ist der Gedanke des Ankhens jedoch von höchster Bedeutung, will man das ewige Leben erreichen. Ihr werdet für euch selbst entscheiden müssen, ob das etwas ist, was ihr praktizieren möchtet.
Das Ankh in räumlicher Ansicht.

  1. Atmet in dem Moment, wo ihr die sexuelle Energie eure Wirbelsäule hinaufsteigen fühlt, ganz tief ein. Füllt eure Lungen dabei zu 9/10, und dann haltet den Atem an.
  2.  
  3. Lasst die sexuelle Energie des Orgasmus eure Wirbelsäule hinaufkommen, 
  4. doch sobald sie das fünfte Chakra ( ägyptisches Zwölf-Chakren-System) erreicht, müsst ihr mit eurer Willenskraft den Fluss der sexuellen Energie im Winkel von 90 Grad hinten aus dem Körper hinauslenken. Sie wird dann automatisch innerhalb der Ankh-Röhre weiterfließen. Sie wird eine langsame Kehrtwendung machen, bis sie exakt durch das achte oder das dreizehnte Chakra eine Handbreite über dem Kopf wandert, im 90-Grad- Winkel zur Vertikalen. Dann wird sie weiter umherkreisen, bis sie zum fünften Chakra zurückkehrt, wo sie begann. Oft wird sie langsamer werden, wenn sie sich ihrem Ausgangspunkt nähert. Wenn ihr die Energie sehen könnt - sie läuft auf einen feinen Punkt hinaus. Sobald sie sich von der Vorderseite des Körpers dem fünften Chakra nähert, gibt es mitunter einen enormen Ruck, wenn sie sich mit diesem Chakra verbindet. All das findet statt, während ihr die Luft anhaltet.    
  5. Atmet in dem Moment, wo sich die sexuelle Energie wieder mit ihrem Ursprung verbindet, vollständig ein. Vorher hattet ihr eure Lungen nur zu 9/10 gefüllt, füllt sie jetzt also ganz, so weit wie ihr könnt.
  6.  
  7. Atmet nun ganz, ganz langsam aus. Die sexuelle Energie wird um den Ankh-Kanal weiterwandern, solange ihr ausatmet. Wenn ihr den Umkehrpunkt dieses Atemzugs erreicht, werdet ihr sehr tief weiteratmen, aber es kommt hier zu einer Veränderung.
  8.  
  9. Atmet an diesem Punkt voll und tief weiter, seht aber sofort, wie die sexuelle Energie als Prana von den beiden Polen kommt und wie zuvor in eurem fünften Chakra zusammenkommt. Nehmt eure gesamte Mer-Ka-Ba wahr und spürt, wie diese Energie in und durch euren ganzen Lichtkörper ausstrahlt. Lasst diese Energie auch in die physisch tiefsten Schichten gelangen, aus denen euer Körper aufgebaut ist, selbst noch über die zellulare Ebene hinaus. Spürt, wie jede Zelle durch diese Lebenskraft-Energie verjüngt wird. Spürt, wie diese wunderschöne Energie euch in eurem gesamten Sein umhüllt und in eurem Körper, Geist und Herzen Gesundheit bewirkt.
  10.  
  11. Atmet tief weiter, bis ihr spürt, wie die Entspannung sich durch euren gesamten Körper ausbreitet; dann atmet entspannt in eurem normalen Tempo weiter.
  12.  
  13. Gebt euch, wenn möglich, den Raum, euch danach vollkommen zu entspannen oder sogar eine Weile zu schlafen.

Selbst wenn ihr das nur eine Woche lang praktiziert, werdet ihr, so glaube ich, mehr als verstehen, was es damit auf sich hat. Kontinuierlich praktiziert, wird es eurem Mental-, Emotional- und physischen Körper zunehmend Gesundheit und Kraft geben. Auch eurem Lichtkörper wird es große Kraft und Energie schenken. Falls es sich aus irgendeinem Grund nicht richtig anfühlt, verzichtet darauf.
(auszug "Blume des Lebens 2")

Montag, 27. September 2010

Letzter Teil des Interviews mit Florinda

ABE: Also bewirken die Bücher mithin eine Veränderung in der Selbstwahrnehmung ihrer Leser.

Florinda Donner: Ja. Es geht uns ja auch grundsätzlich darum, wie wir die Welt wahrnehmen, und um das Zerbrechen jener Parameter der alltäglichen Wahrnehmung, auch in Hinsicht auf die Wahrnehmung des eigenen Selbst. Aber, wir wollen dabei nicht das Ich im Mittelpunkt von allem stehen haben. Wir wollen Zeugen sein. Weil alles in unserer Gesellschaft durch das Ich gefiltert ist, sind wir nicht einmal dazu fähig, auch nur die kleinste Geschichte oder Erinnerung zu erzählen, ohne uns selbst gleich zum Protagonisten, zum Hauptdarsteller zu machen. Und das machen wir immer so. Don Juan war hingegen daran interessiert, die Geschichten und Ereignisse selbst ihren Lauf nehmen zu lassen, sie sich selbst entwickeln zu lassen. Und dann werden sie unendlich viel reicher in jeder Hinsicht, weil sie sich dann selbst öffnen. Betrachte das Zeuge sein als eine Übung, die du in der Alltagswelt praktizieren kannst; sei einmal nicht der Hauptdarsteller. Es ist bemerkenswert, was sich dann alles öffnet.

ABE: Irgendwo in euren Büchern beschreibt ihr, daß der Seher oder der Nagual irgendwann auf seinem langen Pfad eine Periode der Mutlosigkeit, der Niedergeschlagenheit erlebt, in der er oder sie sich sicher ist, daß alles schiefgehen wird, daß so bald gar nichts passieren wird. Und der Grund, warum ich das anspreche, ist, daß ich spüre, daß dieses Gefühl zur Zeit weltweit bestimmend ist und von vielen Leuten geteilt wird. Kannst du dazu etwas sagen?

Florinda Donner: Aber sicher doch. (Sie lacht) Und ich werde diese Depression wohl noch verschlimmern müssen. (Sie beruhigt sich wieder etwas) Nein, das ist schon wahr. Etwas in uns weiß ganz genau, was los ist, und daher erzielen die Lehren von Don Juan auch heute diese Wirkung. Vom Standpunkt der Natur aus ist der primäre Imperativ der Fortbestand der Spezies, und daran sind wir nicht länger interessiert. Wir sind an Evolution, an Entwicklung interessiert, weil Entwicklung ein gleichwertiger, wenn nicht gar der Fortpflanzung übergeordneter Imperativ ist. Und das, weil, wenn wir uns nicht entwickeln, nicht in etwas anderes mutieren, dann werden wir uns wahrhaftig selbst von diesem Planeten entfernen, und ich denke, das wird unwiderruflich sein. Wir haben unsere Ressourcen aufgebraucht, und ich meine, vollständig aufgebraucht. Und ob wir nun 50 oder 100 weitere Jahre haben mögen, ist im Sinne der Zeitrechnung der Erde als Planeten vollkommen belanglos. Es spielt nicht die geringste Rolle. Als Spezies sind wir dem Untergang geweiht. Und in diesem Sinne ist Evolution der einzige Ausweg. Und die Evolution liegt, wie Don Juan betont hat, in den Händen der Frauen, und nicht in denen der Männer.

ABE: Und was mache ich als Mann? Einfach rumsitzen und darauf warten, daß die Frauen die Welt retten?

Florinda Donner: Ja und nein. Der Mann muß ganz allgemein auf seine Macht verzichten, und das wird er nicht tun, zumindest nicht kampflos. Das wird er ganz bestimmt nicht. Ich damit nicht sagen, daß ihr euch hinstellt, auf euren Brustkorb trommelt und sagt: "Ich werde meine Macht nicht abgeben!" Nein, es ist wesentlich heimtückischer als das.

ABE: Erkläre das bitte genauer. Rede einfach weiter.

Florinda Donner: Nun gut, ich denke, das sind Sachen, die sonst nicht ausgesprochen werden. Nimm z.B. diese sensiblen Männer, die an Männergruppen teilgenommen haben, und die versuchen, ihre Spiritualität zu finden. Und in diesem Prozeß kommen sie in völligen Einklang mit ihren Frauen, Partnern, Lebensgefährtinnen - aber nicht wirklich. Da gibt es bestimmte Dinge, die sie nicht abgeben wollen; es ist zu bedrohlich. Auch wenn die ganze Männerbewegung ursprünglich eine echte spirituelle Bewegung war. Aber irgend etwas im Mann fühlt sich bedroht. Es ist die Furcht etwas loszulassen, von dem einige von ihnen ganz genau wissen, daß sie es loslassen müssen, wenn wir als Spezies noch eine Chance haben wollen. Wir wissen ganz genau, daß der Frau Zeit eingeräumt werden muß, und daß ihr auch in der Vergangenheit immer wieder Zeit eingeräumt wurde, um etwas zu entwickeln. Z.B. mußte, um den aufrechten Gang zu gewährleisten, die Vagina ihre Lage verändern, nun, und wer mußte sich anpassen? Der Mann. Der Penis mußte in Folge größer werden. Und jetzt braucht die Frau wieder Zeit. Und der Mann wird ihr diese Zeit einräumen müssen. Er muß der Frau Zeit dazu geben, ihre Gebärmutter auf ihre bislang sekundäre Funktion umzuschalten. Und das kann nicht geschehen, solange der Mann die sexuelle Beziehung zur Frau aufrecht erhält.

ABE: Ist es das, was du sagen willst?

Florinda Donner: Nein. Schau, es müssen einfach genug Frauen Zeit dazu bekommen, daß sich etwas in der Gebärmutter ändert. Sie müssen neue Möglichkeiten entwickeln. Don Juan sagte, unsere Entwicklung ist eine Sache der Absicht. Das besagt, daß auch der Sprung von den Reptilien zu den Vögeln, das Konzept der Flügel, beabsichtigt wurde. Es war ein Akt der Absicht.

ABE: Das ist sehr interessant. Also denkst du, daß derzeit Frauen in aller Welt, Schwesterschaften verschiedener Art, eine neue Zukunft des Menschen beabsichtigen?

Florinda Donner: Sie sind sich dessen nicht bewußt. Einige Frauen hingegen, so denke ich, sind es vollkommen.

ABE: Also bekommt der Mann nun einen Rücksitz im Prozeß der Evolution der Arten zugewiesen.

Florinda Donner: Ganz richtig. Aber es ist kein Rücksitz. Ein solches Wort verknüpft die Angelegenheit wieder mit einer Wertung. Das ist es nicht, um was es geht. Ihr müßt einfach nur Zeit zur Verfügung stellen.

ABE: Wie kann ein Mann das tun? Sage mir, wie das praktisch vor sich gehen kann.

Florinda Donner: Frauen werden immer noch als zweite Klasse Bürger betrachtet. Egal welche Macht wir haben, wir haben immer noch keine wirkliche Macht. Wir entscheiden gar nichts. Und selbst in Gesprächen in kleinen Gruppen ist das der Fall, es ist, als ob man mit dem Kopf gegen eine Stahltür rennt, weil, wer immer entscheidet, wer immer die Macht hat, sie auf keinen Fall abgeben wird. Oder schau dir die politische Ebene an, z.B. Washington oder eure Hauptstadt. Glaubst du, diese Männer da oben würden uns auch nur einen Moment lang zuhören? Keine Chance. Aber irgendwelche Nischen müssen gefunden werden, um etwas Neues zu entwickeln. Ansonsten sind wir zum Untergang verdammt. Und damit meinen wir nicht primär die Vorstellung von der Zerstörung des Planeten und der Umwelt; es ist unsere Spezies, die nicht überleben wird. Die Erde wird ganz sicher überleben. Es mag sein, daß sie in eine Art globalen Winter fällt, aber da wird sie wieder herauskommen. Wir als Art werden hingegen nicht überleben.

ABE: Warum würde eine Frau wohl dein Buch Being-in-Dreaming lesen?

Florinda Donner: Eine sehr interessante Frage, hmm? Nun, wenn nicht aus anderen Gründen, dann denke ich, die Leute die an Castanedas Büchern interessiert waren, könnten auch daran interessiert sein, daß ganze aus der Perspektive einer Frau zu betrachten, die bereits über zwanzig Jahre in dem Bereich Erfahrungen gesammelt hat. Ich gehe die Dinge anders an, sicher wesentlich direkter. Die Hauptsache ist die Wahrnehmung. Sogar unsere menschlichen Körper... der Körper ist wiederum eine Folge der Wahrnehmung. Wir sind darin als Personen gefangen; wir sind in unserer Sprache gefangen. Und genau aus dieser Gefangenschaft wollen sich die Zauberer - durch das Medium der Energie - befreien.


Original: Dimensions, Febr. 1992 - ? Deutsche Übersetzung: Manul, Aug. 1994

Sonntag, 26. September 2010

Interview mit Florinda (weiter...)

...
ABE: Wenn sich nun eine Frau oder ein Mann zu eurer Tradition berufen fühlt, wenn sie dadurch "gepackt" worden sind, wie du sagst, woran können sie das erkennen? Woran können sie erkennen, daß sie tatsächlich von dieser Tradition gepackt worden sind, und nicht nur von irgendeiner verdammten Besessenheit?

Florinda Donner: Ich denke, Castanedas Bücher erklären das sehr deutlich... wenn du Castanedas Bücher sehr gründlich und sorgfältig liest, dann sind sie fast soetwas wie praktische Handbücher.

ABE: Ja, das weiß ich. Man liest sie wieder und wieder, und irgendwann versteht man dann, worüber da eigentlich geredet wird.

Florinda Donner: Du wirst wissen, wenn sich etwas geändert hat, weil du es auf energetischer Ebene spüren wirst. Und dann gibt es da noch das Konzept davon, daß wir diese Vorstellung vom Selbst hinter uns lassen können. Es ist nicht so, daß du dann hingehst und über die anderen lachst. Aber du findest sie widerwärtig und verachtenswert, und doch willst du gleichzeitig nicht über sie urteilen, denn, wer zur Hölle sind wir schon, um über irgendwen in irgendeiner Hinsicht zu urteilen? Du weißt nur, daß du nicht mehr teilhast an diesem Maskenball, an dieser allgegenwärtigen Präsentation der Selbste im Sinne der sozialen Übereinkunft. Dein Selbst, deine Maske kommt dir vor wie ein gefälschter Teil von dir, wie ein unechtes Anhängsel, welches du allerdings brauchst, um in der Welt zu funktionieren. Dazu mußt du immer noch eine kohärente Selbstvorstellung vorweisen können. Weißt du, Don Juan sagte immer, daß man, wenn eine ehrliche Veränderung stattgefunden hat, nicht abgewiesen werden kann, was immer es auch bedeutet, abgewiesen zu werden. Ich weiß es nicht. Von der Absicht, die mit uns in Kontakt kommt? Ich weiß es wirklich nicht. Jedenfalls sind zwei Leute mit uns in Kontakt gekommen, und die sind nun bei uns. Das darfst du nicht falsch verstehen, denn wir sind ohnehin nie zusammen; jeder von uns lebt sein eigenes Leben, und nur von Zeit zu Zeit treffen wir uns. Ursprünglich hatten wir diese kleine Klasse, wenn Castaneda im Lande war. Er lehrt dort bestimmte sehr interessante Bewegungen, die vor allem dazu dienen, Energie aufzuspeichern. Und diese beiden Leute sind zwei Jahre lang zu diesen Treffen gekommen, und sie verändern sich nach und nach. Und das ist wirklich faszinierend. Du siehst, wenn du etwas losläßt, wird etwas in dir das wissen.

ABE: Etwas anderes in dieser Richtung: Du hast nun – unter anderem - dieses Buch veröffentlicht, und ich habe es gelesen. Nun habe ich dadurch noch keine physische Vorstellung von dir, aber meine Gefühle formen ein gewisses Bild davon, wer du sein könntest, oder woran du mich erinnerst. Jetzt interessiert mich, ob dich das Energiefeld all der Leser, die dein Buch in der Welt da draußen lesen, irgendwie beeinflußt oder beeinträchtigt.

Florinda Donner: Eines der Dinge, die Don Juan Castaneda sehr klar gemacht hat... Schau, wenn das Buch einmal raus ist, dann ist es raus. Es hat nichts mehr mit dir zu tun. Aber natürlich ist es sehr schwer, sich von den Gedanken, Fragen und Hoffnungen, wie z.B. "kommt das Buch an?", zu trennen. Weil man irgendwie selbst darin verwickelt ist. Wirklich ganz loszulassen ist sehr, sehr schwer. Bei meinen zwei ersten Büchern - Shabono und Die Lehren der Hexe - war es vergleichsweise einfach. Mit diesem Buch ist das nicht so; es ist sehr schwierig, weil ich hier das erste Mal wirklich über meine Verbindung zu Don Juan rede. Und vielleicht auch, weil ich hier das erste Mal wirklich offen rede - in den anderen Büchern tat ich das nicht. Mit diesem Buch bin ich wesentlich stärker verbunden. Ich habe auch Lesungen und Vorträge in Buchhandlungen abgehalten, die sehr interessant waren, wie ich schon angedeutet habe, und da waren sehr viele Leute, die wirklich sehr ernsthaft interessiert waren, aber meistens wieder nur im intellektuellen Sinne.

ABE: Ich denke aber, daß einige Wenige auch über die intellektuelle Stufe hinausgegangen sind.

Florinda Donner: Bestimmt gibt es solche Leute. Das glaube ich auch, ja.

ABE: Wenn wir schon über verschiedene Leute reden, dann laß uns auch über verschiedene Arten von leuchtenden Körpern sprechen. Manche Leute lesen eure Bücher, und dann ist plötzlich die Stunde der Selbsterkenntnis gekommen.

Florinda Donner: Ganz genau, ja.
(...)

Samstag, 25. September 2010

Interview mit Florinda (weiter...)

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ABE: Und bedeutet das auch, daß sich die Tradition nun auf diese Weise weiterexistiert, indem sie sich selbst überliefert?

Florinda Donner: Ich weiß es nicht. Wenn ich von Castanedas Post ausgehe, die er übrigens nicht liest, dann würde ich sagen, ja. Aber dann ist wiederum das meiste von diesem Zeug... Was ich sagen will, ist, daß ich von Zeit zu Zeit Briefe öffne und lese, und die meisten davon sind völlig verrückt, von Spinnern geschrieben. Manche Briefe enthalten auch sehr, sehr ernsthafte Anfragen, aber die meisten wurden offensichtlich von Leuten geschrieben, die wirklich einen Sprung in der Schüssel haben. (Florinda lacht) Und ich meine das wörtlich, diese Leute haben wirklich einen Sprung. Wie etwa, "Ich bin der neue Nagual," oder "Ihr habt mich neulich in meinen Träumen besucht." Ich meine wirklich bizarre Sachen.

ABE: Nun, wie du weißt, gibt es verschiedene Abstufungen, was das angeht. Aber ich denke, daß ihr Frauen, ihr Zauberer, und die ganze Castaneda'sche Realität das kollektive Bewußtsein der breiten Masse, vor allem in Nordamerika, tatsächlich recht stark beeinflußt habt.

Florinda Donner: Da hast du völlig recht, und es gibt eine Menge Arbeit für uns da draußen. Es gibt eine Menge Leute, die unsere Bücher lesen. Und einige dieser Leute nehmen diese Sachen wirklich sehr ernst.

ABE: Und manche von diesen Leuten sind Nicht-Eingeborene, die sich in Folge dessen nun sehr stark mit eingeborener Spiritualität befassen. In diesem Sinne hat die Arbeit eurer Gruppe einen gewaltigen belebenden Effekt auf die Spiritualität der Eingeborenen Amerikas gehabt, denn man sieht, daß diese stärker denn je versuchen, zu ihren eigenen Traditionen zurück zu finden. Und sie gehen tatsächlich zurück zu ihren eigenen Wurzeln.

Florinda Donner: Aber das ist doch das genaue Gegenteil von dem, was Don Juan wollte. Schau, sein Standpunkt war doch, das man gerade nicht zurückgehen sollte, weil man dann wieder in die Fänge der Mythen und der Rituale gerät. Und für Don Juan waren Mythen und Rituale... Mythen in dem Sinne, daß man Teil dieser Matrix ist, ja, aber nicht in dem Sinne, daß man sie durch die Beschwörung bestimmter Kräfte in Ritualen und Zeremonien lebt, alles Dinge, die vielleicht noch im 19ten Jahrhundert erfolgreich und sinnvoll waren. Er sagte, wir würden einen gewaltigen Fehler machen, wenn wir nicht verstehen, daß der einzige und ursprüngliche Zweck der Rituale das Einfangen und Fesseln der Aufmerksamkeit ist. Wenn dann deine Aufmerksamkeit einmal eingefangen ist, gibt es auch keinen Grund mehr, am Ritual festzuhalten; man läßt es einfach fallen. Aber als die schwerfälligen Affen, die wir nun einmal sind, finden wir sehr viel tröstenden Beistand im Ritual. Aber Menschen die wirklich daran interessiert sind, ihr Wissen zu transzendieren, tun dies, indem sie aus dem Teufelskreis der Rituale ausbrechen. Und dennoch ist der Rest der große Masse weiterhin vom Ritual hypnotisiert. Ja, das sehe ich ein. Und das paßt auch zu Castanedas Aussagen, der euch als neue Seher beschreibt.

ABE: Was bedeutet das, und wie sind diese entstanden?

Florinda Donner: Die neuen Seher? Für Frauen bedeutet das vor allem, daß sie begreifen müssen, daß die Gebärmutter nicht nur ein Fortpflanzungsorgan ist. Um nun die sekundären Funktionen dieses Organs zu aktivieren, muß unsere Absicht geändert werden. Und um die Absicht ändern zu können, benötigen wir - wieder einmal - Energie. Schau, wir haben zunächst einmal nicht die geringste Ahnung davon, was es bedeutet, die Gebärmutter als Organ des Seins, als Lichtorgan, als Organ der Intuition zu nutzen. Für uns ist Intuition tatsächlich etwas, das bereits definiert worden ist. Wir kennen gar keine echte Intuition mehr, weil wir bereits mit unseren Köpfen intuieren. Don Juan hatte immer ein großes Interesse an den Frauen, und die Leute fragen Castaneda immer wieder, "Hey, wie kommt es, daß immer so viele Frauen in euren Gruppen sind? Feiert ihr Orgien? Treibt ihr es miteinander? Erzähl uns doch mal, was ihr da macht." Und er sagt, "Nein, das liegt nur daran, daß Männer keine Gebärmutter haben. Wir brauchen diese magische 'Gebärmutter-Kraft'." Du siehst, das ist eine sehr wichtige Kraft.

ABE: Laß mich in diesem Zusammenhang ein paar praktische Fragen stellen, im Namen meiner weiblichen Leser. Muß die Gebärmutter vollständig funktionstüchtig sein? Ich meine, wenn z.B. die Eileiter verwachsen sind, würde die Gebärmutter noch ihren Dienst tun?

Florinda Donner: Ja, solange keine Hysterektomie vorgenommen wurde.

ABE: Also solange die Gebärmutter nicht entfernt worden ist...

Florinda Donner: ...solange die Gebärmutter noch da ist, ja.

ABE: Dann kann sie in eurem Sinne funktionieren.

Florinda Donner: Oh ja, absolut. Das einzige, was dazu nötig ist, ist die entsprechende Absicht heraufzubeschwören. Ähnlich wie dies in manchen dieser "Göttin-Kulte" versucht wird; du weißt schon, diese "Wenn Gott eine Frau wäre"-Kulte. Aber leider gehen diese meistens am Wesentlichen vorbei. So hielt ich vor einem Monat einen Vortrag vor einigen Frauen, und die meisten von ihnen waren Mitglieder in solchen Göttin- Gruppen. Sie erzählten mir, daß sie jeweils ein Wochenende im Monat im Wald verbrachten, irgendwo da oben im Sequoia Nationalpark. Dort toben sie durch den Wald, klettern auf Bäume, und oh, sie lassen da so richtig die Sau raus, debattieren, machen Rituale im Fluß und ähnliches. Und ich sagte zu ihnen: "Und was zur Hölle macht ihr, wenn euer ach so tolles Wochenende vorbei ist? Ihr geht nach Hause und seid wieder die gleichen Arschlöcher wie zuvor. Ihr macht eure Beine breit, wann immer euer Herr und Meister sagt, 'Ich brauche dich'." Natürlich waren sie schockiert. Ich meine, sie haßten mich sogar insgeheim dafür, daß ich ihnen das gesagt hatte, weil sie das nun gar nicht hören wollten. Sie sagten: "Aber wir haben uns diese drei Tage lang doch so gut gefühlt." Und ich erwiderte: "Aber welchen Zweck hat es, sich drei Tage lang gut zu fühlen, wenn dein Leben danach genauso beschissen weitergeht?" Diese Frauen sollten sich einmal fragen, wovon sie da igentlich Urlaub machen und vor allem, warum sie das machen. Wo liegt da der Sinn, wenn das Leben danach doch wie gehabt weitergeht? Warum verändern wir uns nicht wirklich? Und dann diese Idee mit den Ritualen und der Rückkehr zu den Glaubens- und Kultformen der Eingeborenen; sie haben nicht einmal damals funktioniert, zumindest nicht in Hinsicht auf die Stellung der Frau. Wir wurden besiegt.

ABE: Also geht es um etwas, das hier und jetzt auf völlig authentische Weise gelebt werden muß.

Florinda Donner: Die Veränderungen müssen flüssig sein, und die Praktikerinnen müssen genauso flüssig sein, um die Veränderungen akzeptieren zu können. Sogar in uns verändern sich die Dinge ständig, aber wir achten nicht darauf, weil wir es uns auf unserer eigenen gewohnten Schiene so bequem gemacht haben - bis uns dann eines Tages etwas aus dieser gar nicht so sicheren Bahn wirft. Und darüber ärgern wir uns dann, während wir eigentlich nur flüssig sein müßten, um diesen Zustand zu nutzen. Nur eine ausreichende Menge Energie wird uns diese Flüssigkeit verleihen.

ABE: Und wie kann man diese Energie ansammeln bzw. speichern?

Florinda Donner: Zuerst und gerade am Anfang, so pflegte Don Juan zu sagen, ist die sexuelle Energie die beste Energie, die wir haben. Ich würde hinzufügen, daß es sogar die einzige Energie ist, die wir wirklich haben, aber der Großteil unserer sexuellen Energie wird oder ist bereits verschwendet worden.

ABE: Gilt das für Männer und für Frauen im gleichen Maße?

Florinda Donner: Natürlich gilt das sowohl für Männer als auch für Frauen. Der einzige Unterschied ist, daß die Frauen im energetischen Sinne mit der zusätzlichen Bürde belastet sind, daß sie die Männer über deren energetische Fäden oder Würmer auch noch ernähren. In diesem Sinne ist es für die Frauen fataler. Aber für den Mann nicht viel weniger, denn er wird dadurch festgelegt. In einem energetischen Sinne ist er festgelegt, wie auch immer sich das konkret ausdrücken mag. Wir haben dann alle möglichen psychologischen Erklärungen für die Folgen. So zum Beispiel für Leute, mit denen wir eine sexuelle Affäre hatten, und die wir nun nicht mehr aus unseren Köpfen bekommen, oder was auch immer. Du siehst, wir haben hier eine Art Grauzone der Beschreibung vor uns, aber was wirklich vor sich geht, findet auf einer völlig anderen Ebene statt, über die wir nicht reden wollen oder können, weil das nicht Teil unserer kulturellen Ausrüstung ist.

ABE: Also ist der primäre Weg zur Ansammlung von Energie ein zölibatäres Leben?

Florinda Donner: Nun, das ist sehr schwierig, aber es ist auf jeden Fall ein guter Versuch, zumindest für den Anfang.
(...)