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Donnerstag, 7. Oktober 2010

Tao Te Karl ---Karl Renz (Leseprobe Teil 7)

Der Berufene will nichts Eigenes

Sieben Arten, wie Selbst sich realisiert


Der Himmel ist ewig und die Erde dauernd.
Sie sind dauernd und ewig,
weil sie nicht sich selber leben.
Also auch der Berufene:
Weil er nichts Eigenes will,
darum wird sein Eigenes vollendet.

Jeden Morgen wirst du zuerst als ein Erfahrender wach. Dann findet
ein Erfahren statt; als Raum, als Geist. Und dann kommt das, was erfahren
wird, der Körper. Also erstens Vater, reines Bewusstsein, zweitens
Eva oder Heiliger Geist oder ‚Ich bin’ und drittens der Sohn, der Mensch
– „ich bin das“ (die Welt). Und abends beim Einschlafen fällt das Dritte
(die Person) als erstes weg, dann das ‚Ich bin’und schließlich das reine
Gewahrsein.
Das Persönliche und das Unpersönliche wechseln sich ständig ab,
und du kannst daran willentlich nichts ändern. Wenn du das erkennst,
wird beides leer, denn beides bringt kein dauerhaftes Glück. Dann verschwindet
beides und es bleibt nur Gewahrsein übrig: jenes erste Ich.
Doch auch dies ist ein Ich zuviel. Es setzt noch etwas voraus, was sich
jeder Definition und Erklärung entzieht. Und das allein ist unbedingtes
Sein. Vollkommenes Mysterium deiner selbst. Keine Art von Wahrnehmung.
Und doch bist du. Reine Existenz, die absolut keine Vorstellung
von dem hat, was sie ist oder nicht ist. Reines Potenzial.
Und aus diesem reinen Potenzial, aus diesem vierten Zustand, erwachst
du zu einem neuen Leben in den fünften, den des reinen Gewahrseins;
dann in den sechsten, den des reinen Bewusstseins; und dann in
den siebten, den des reinen Menschen. Und das ist das, was Jesus war:absoluter Vater, absoluter Geist, absoluter Sohn oder Mensch. Sieben
Arten und Weisen, wie Selbst sich realisiert.
Wenn deine Natur absolut das ist, was das ist, dann geht’s möglicherweise
bomm, bomm, bomm. Ohne Unterbrechung. Dann bist du das und
das und das. Und das ist das Nächste, zu dem du kommen kannst – diese
vollkommene Aussage ‚Ich bin – das – Ich bin’.
Aber selbst das ist noch eine Aussage zuviel.

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Tao Te Karl ---Karl Renz (Leseprobe Teil 6)

Der Geist des Tals stirbt nicht

Ebenen des Bewusstseins


Der Geist des Tals stirbt nicht
das heißt das dunkle Weib.
Das Tor des dunklen Weibs,
das heißt die Wurzel von Himmel und Erde.
Ununterbrochen wie beharrend
wirkt es ohne Mühe.
 
 
 
Die Verwirklichung der Wirklichkeit fängt vor irgendeiner Person an.
Die Person ist das letzte Stadium in den Bewusstseinsebenen, gleichsam
die unterste Stufe. Am Anfang gibt es den Vater: das Gewahrsein dessen,
was Adam ist. ‚Adam’ heißt im Hebräischen die Urseele. Damit
fängt alles an. Der erste Lichtkörper. Die erste Erfahrung von Sein als
Licht.
Die zweite Erfahrung ist dann Eva, oder das Leben, das, was Bewusstsein
ist. Das ‚Ich bin’. Und das ist alles noch unpersönlich. Es gibt aber
schon das männliche und das weibliche Prinzip: das so genannte Gewahrseins-
und das Bewusstseinsprinzip.
Da ist also Bewusstsein als reinste Seinsform; als reines Bewusstsein.
Dann als Geistbewusstsein, als ‚Ich-bin-Bewusstsein’. Aus diesen
beiden entsteht dann das dritte: das, was der Körper ist; das, was das
‚Ich’ ist. Da fängt das Ego an: das identifizierte Bewusstsein als Person.
Sie entsteht aus der Selbstbefruchtung, aus der Selbstdurchdringung
von reinem Sein und Bewusstsein. Und all das ereignet sich spontan.
Und mühelos.
Aber damit fängt nichts an, und das ist der grundlegende Punkt.
Weder vor noch mit dem ersten Wachwerden fängt irgendetwas an. Weil
das, was Sein an sich ist, vor dem Wachwerden das ist, was Sein ist.
Und wenn beim ersten Wachwerden keiner wach wird, also keiner geboren
wird, dann wird auch beim Bewusstsein, beim geistigen Erfahren,
keiner geboren. Und das, was aus dieser Verbindung von Gewahrsein
und Bewusstsein entsteht, wird auch nicht geboren.
In diesem so genannten Schöpfungsprozess wird nichts geschöpft,
da entsteht nichts, es wird nichts geboren – und das ist das Wesentliche.

Dienstag, 5. Oktober 2010

Tao Te Karl ---Karl Renz (Leseprobe Teil 5)

Das All kennt keine Liebe

Verliebt in Vorstellungen


Das All kennt keine Liebe,
es schreitet über alles hinweg,
als wäre es nichts.
 
 
Liebe ist das, was Liebe nicht kennt. Das, was denkt, es könnte lieben,
ist nur eine Idee. Und das, was denkt, es wüsste was Liebe ist, ist auch
wieder eine Idee. „Liebe ist nur ein Wort“. Sprach Simmel. Da könnte
er recht gehabt haben.
Aus jedem Wort, das ein Hinweis darauf ist, dass es nichts Zweites
gibt, kannst du wieder etwas Zweifaches machen. Vor allem aus dem
Wort Liebe. Du assoziierst gleich zwei damit – und die Hoffnung, die
Zweiheit zu überwinden. Du fängst an zu sinnieren: Ist dies jetzt eine
relative Liebe? Kann ich auch die absolute haben? Die unbedingte,
unkonditionierte, vollkommene Liebe? Nicht, solange es dich gibt!
Liebe spürst du als eine Sehnsucht nach Heimat. Und diese Sehnsucht
entsteht mit der Annahme, dass du existierst und eine Heimat
brauchst. Aber du existierst nicht.
Und nun der Salat: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Kannst
du dir vorstellen, was das bedeutet? Finde erst mal ein Selbst, das du
lieben könntest. Im Nichtfinden von dem, was du in dir selbst lieben
könntest, liebe das, was du nicht finden kannst, im Nächsten. Aber
Vorsicht: Wenn du dich selbst nicht finden kannst, gibt es auch keinen
Nächsten mehr. Dann ist nur noch Liebe. Ohne dich. Ohne irgendeinen
Nächsten.
Bis dahin wirst du Traumbeziehungen hegen und dich daran freuen
und leiden. Auch die Beziehung zu dir selbst ist eine Traumbeziehung.
Die Beziehung zu einer Idee. In Wahrheit gibt es nichts Zweites, zu dem
 du eine Beziehung haben könntest. Aber es gibt eine Menge Vorstellungen,
zu denen du eine Beziehung hast. Du bist immer nur in Vorstellungen
verliebt, du kannst nicht anders.
Mal ist es die Vorstellung einer relativen Liebe, dann die der absoluten
Liebe. Wenn du dich in die verliebst, dann willst du die relative
Liebe rasch loswerden, damit du die absolute genießen kannst. So wirst
du dich selbst vergessen aus Liebe, wirst dich selbst betrügen aus Liebe,
wirst tief sinken aus Liebe.
Und ob willkommen geheißen oder zurückgewiesen, vergessen oder
erinnert, geküsst oder betrogen, es bist immer nur du. Du bist der Liebhaber,
das Lieben und das Geliebte. Und du wirst dieser Liebe zu dir
selbst nicht entkommen. Alles ist eine Liebesaffäre mit dir selbst. Und
diese Affäre ist vollkommen still. Denn du bist still. All das Lieben und
Betrügen ist nicht wirklich. Da ist absolut nur du. Absolut lieblos. In
dieser vollkommenen Stille ist keine Liebe. Und nur Liebe. Aber kein
Zweites, das geliebt werden kann. Da ist nicht mal irgendetwas. Nicht
mal Nichts.

Montag, 4. Oktober 2010

Tao Te Karl ---Karl Renz (Leseprobe Teil 4)

Wesenlos ist das Tao

Der Stoff, aus dem die Träume sind



Wesenlos ist das Tao,
die Wesen lösend von ihrem Sein;
abgründig tief ist es,
alles Seienden Grund.
 
 
Gott ist wesenlos. Gott kennt sich nicht. Weder als Gott noch als Nichtgott.
Jesus sagte am Kreuz: „Es ist vollbracht.“ Da waren er und Gott
nicht verschieden.
Das, was Liebe ist, kennt keine Liebe. Liebe ist da, wo es keinen
Liebenden und nichts Geliebtes gibt. Wo du das bist, was du bist. Wo
das Selbst, oder was immer du Gott nennst, das ist, was du bist.
Das, was deine Natur ist, kann nicht gefunden werden. Was immer
du finden kannst, wirst du wieder verlieren. Aber das Schöne an deiner
Natur ist, dass du sie beim Verlieren nicht verloren hast und genauso
wenig beim Finden wieder finden wirst. Das Verlorenhaben ist ein Traum.
Und das Finden, so traumhaft schön es auch sein mag, ist ebenfalls nur
ein Traum. Eine bloße Traumhochzeit. Und bei aller Träumerei bleibst
du der Stoff, aus dem die Träume sind. Und den finde mal.

Sonntag, 3. Oktober 2010

Tao Te Karl ---Karl Renz (Leseprobe 3 !)

Der Berufene macht
das Nichtmachen

Gott wirkt, ohne zu wirken

Die Tüchtigen nicht bevorzugen,
so macht man, dass das Volk nicht streitet. (…)
Der Berufene macht das Nichtmachen,
so kommt alles in Ordnung.



Das, was Bewusstsein ist oder das, was Energie ist, ist das Allwollende.
Doch es kann nun mal nicht wollen, was es will. Es gibt keine Kausalität.
Auf der relativen Ebene sieht es so aus, als gäbe es eine Ursache
und eine Wirkung. Doch da ist nur die in sich selbst vollkommene
Bewegung. Die ist, ohne zu sein. Die geschieht, ohne entstanden zu
sein. Die vergeht, ohne existiert zu haben.
Das ist einfach die Spontaneität von Realisation. Keiner hat das
vorher durchkalkuliert. Jede Aktion im Sein ist spontan und blind. Das
ist Freiheit. Die Freiheit von Sein an sich. Sie hat nie eine Richtung in
sich, die irgendjemand gewollt hat. Alles passiert spontan aus sich selbst
heraus, nicht aus irgendeinem Grund. Es gibt keine Notwendigkeit.
Keinen, der denkt, es wäre besser, wenn es so und so wäre.
Alles ist eine absolute Notwendigkeit, denn wenn es nicht so wäre,
wäre die Absolutheit nicht absolut. Und das, was absolutes Sein ist,
weiß nicht, was besser oder schlechter ist, sondern in diesem absoluten
Nichtwissen realisiert sich, was auch immer realisiert werden kann.
Das könnte „karmisches Bewusstsein“ genannt werden: Eine absolute
Aktion, die auf sich wieder reagiert. Das Aktive und das Reaktive
sind nicht verschieden. Das, was jetzt den ersten Knall macht, schafft
unendliche Echos von dem, was es ist. Es ist das Echo und es ist die
Ursache; es ist die Wirkung und das, auf was es wirkt. Darin gibt es
keine Trennung, keine Kausalität; da ist nur der Zusammenhang von
Aktion und Reaktion.
Gott wirkt, ohne zu wirken.

Samstag, 2. Oktober 2010

Tao Te Karl ---Karl Renz (Leseprobe 2 !)

Sein und Nichtsein
erzeugen einander
Das macht Spaß!


Sein und Nichtsein erzeugen einander.
Schwer und Leicht vollenden einander.
Lang und Kurz gestalten einander.
Hoch und Tief verkehren einander.

Wo Gott wach wird, muss er sich absolut verwirklichen. Er kann sich
nicht ein bisschen verwirklichen oder nur so-und-so verwirklichen. Er
kann sich zum Beispiel nicht nur schlau verwirklichen. Er muss genauso
viel Dummheit wie Weisheit verwirklichen. In dieser vollkommenen Balance.
Also muss genauso viel Liebe wie Hass sein. Genauso viel Wahrheit
wie Unwahrheit. Genauso viel Dunkelheit wie Licht. Es ist immer
vollkommene Harmonie in dieser polar erscheinenden Verwirklichung
Gottes.
Sobald du zu einem relativen Objekt von gefundenem Sein geworden
bist, findest du dich einmal schlau, einmal dumm; gestern gut,
heute schlecht; abends schön, morgens hässlich. Diesen ‚Wahn-Sinn‘
gibt es ungefähr sechs Milliarden mal auf der Welt.
Der indische Weise Nisargadatta sagte einmal: „Es gab eine Zeit, als
ich dem Wahnsinn verfallen war, etwas Geborenes zu sein und damit
Milliarden andere geschaffen zu haben. Dann eine Zeit, wo ich das ‚Ich
bin’ als Realität empfand und es allen anderen weitergeben wollte. Ich
dachte, sie sollten das auch erfahren. Doch seit der scheinbaren Realisation
dessen, dass es nichts zu realisieren gibt und das Sein ewig realisiert
ist, gibt es weder mich noch andere, also auch kein ‚Ich bin’ und
keinen, dem ich etwas erzählen könnte.“

Frage:
Wenn der Körper Karl Renz weg ist, dann ist da nichts mehr?
Karl:
War da jemals ein Körper? Du kannst höchstens sagen, da ist eine
Energie, die sich ständig transformiert. Aber die Energie ist immer
dieselbe, so wie sie hier und jetzt ist. Da hat sich nie etwas getan.
Durch all die Veränderungen hat sich das, was dieser Körper ist, nie
verändert. Und das wird sich immer weiter verändern, es wird absolut
kein Ende geben. Und das, was du diesen Körper nennst, der
scheinbar geboren ist, der wird sich dann vielleicht als Wurm weiterwurmen.
Warum soll dich das jetzt schon wurmen?
Was hier geschieht, ist einfach Entertainment des Seins. Es muss
nichts dabei raus kommen. Das macht Spaß. Spaß muss sein. Und
wo Spaß ist, muss auch Ernst sein. Und wo Ernst ist, muss auch
Ernestine sein. Und wo Ernestine ist, schläft das Sein ein vor Langeweile.
Oder es macht einen Luftsprung. Oder spielt Schach mit dem
Nichtsein. Denn wo Sein ist, muss auch Nichtsein sein. Materie und
Antimaterie. Und zwar immer gleich viel. Beides. Und nichts davon.
Sein und Nichtsein bedingen einander. Sei froh, du Wurm!

Freitag, 1. Oktober 2010

Tao Te Karl ---Karl Renz (Leseprobe 1 !)

Das Tao, das sich aussprechen
lässt, ist nicht das ewige Tao
Einer bleibt übrig

Das Tao, das sich aussprechen lässt,
ist nicht das ewige Tao.
„Nichtsein“ nenne ich den Anfang von Himmel und Erde,
„Sein“ nenne ich die Mutter der Einzelwesen.
Beides ist eins dem Ursprung nach
und nur verschieden durch den Namen.

Das Tao, über das man sprechen kann, kann nicht das Tao sein. Was
man über das Tao sagen kann, kann nicht sein, was das Tao ist. Egal wie
du es definierst: endlich, unendlich, anwesend, abwesend, Ich, ichlos,
Sein, DAS, was auch immer. Es trifft nie.
Du könntest auch ‚Unterhose’ sagen. Für mich trifft ‚Unterhose’ es
am besten. Das hier ist der Mantel, und die Unterhose ist immer darunter.
Es gibt, was es nicht gibt; die Existenz, die nicht existieren muss, um zu
existieren. Dieses Paradox, das auch ist, wenn es nicht ist.
Das sind alles nur Worte, die auf etwas hinweisen, das keinen Hinweis
braucht. Alle Paradoxien, die du aufbaust, sind für die Katz. Gott
sei Dank.
Was immer du sagst, es ist ein Satz zuviel. Doch weil er ohnehin
zuviel ist, kannst du ihn ruhig sagen. Weil alles Lüge ist. Egal, ob du
sagst: ich weiß nur, dass ich nichts weiß. Es stimmt nie. Und das stimmt
eigentlich immer. Es wäre fatal, wenn es einmal stimmen würde, wenn
es findbar wäre, wenn es stimmig gemacht werden könnte, wenn der
Frieden, der du bist, findbar wäre in der Wahrheit eines Satzes oder
einer Erkenntnis.
Frage:
Ich habe schon erlebt, dass es mich nicht mehr gab. Da war keiner
mehr. Kein ,Ich bin’. Da war keiner mehr, von dem ich hätte sagen
können: Ich. Alles war weg.
Karl:
Na, ist doch schön! Und trotzdem war es noch ein Umstand. Du
kannst ihn beschreiben. Es ist nicht das, wovon ich rede. Ich rede
von dem, was keinen Umstand kennt.
Du würdest diesen Umstand von Nichtsein der Existenz vorziehen,
stimmt doch? Er hat dir gut gefallen. War ganz schön, oder?
Doch es gab in der Abwesenheit des Ich immer noch einen, der das
registriert hat. Egal wie vage oder von fern. Dieser Eine ist immer
noch zuviel. Der Nichtdefinierte ist immer noch etwas Definiertes.
Wenn ich über das rede, was deine Natur ist, die Natur von Sein,
dann meine ich das, was in allen Umständen ist, was es ist. Es ist
das, was Gewahrsein ist. Wenn da ,Ich bin’ ist, dann ist es ,Ich bin’.
Und wenn es die Welt ist, ist es die Welt. Wenn ich hier sitze, kann
ich sagen: Ich bin das. Ich bin immer das, was ist. Es gibt keinen,
der sich in der Abwesenheit von einem Ich als Besonderheit empfindet.
Das, was man beschreiben kann, was man ergründen, erleben,
erfahren kann, kann es nicht sein. Und fertig.
Sollen wir darüber etwa ein Buch schreiben? Auf keinen Fall.
Aber warum auch nicht!

Donnerstag, 30. September 2010

Karl Renz Interview vom 13.08.01


Was ist Erleuchtung?
Die spontane Erkenntnis, vor "Allem und Nichts" zu SEIN.
Vollkommen unvorbereitet, trotz und nicht wegen der Suche nach Erkenntnis.
Das Erscheinen des "ewigen Jetzt".
Die Abwesenheit des "Ich" und damit jeglicher Konzepte von Trennung oder Verbindung, Geburt und Tod, Gott und Welt, Kommen und Gehen.
Das ABSOLUTE ist sich seiner SELBST gewahr und ist damit das, was ist.
Reine Selbsterkenntnis in dem Erkennen, dass alles, was erkennbar ist, falsch ist. Dazu gehört auch das, was ich gerade über Erleuchtung oder Wahrheit gesagt habe.
Der absolute Tod von Zeit und allem, was scheinbar in Zeit ist. Es sind Hinweise auf das was keine Erkenntnis oder Erleuchtung braucht, um das zu sein was ist, und das ist, was "Du" bist.
Absolutes SEIN in unstörbarer Harmonie.

Wie hat Deine Suche nach Erleuchtung oder Wahrheit begonnen?
Was war Dein persönlicher Weg oder deine Erfahrung?
Schon als Kind machte ich sehr geteilte Erfahrungen. In dem einen Moment war ich vollkommen losgelöst und in uneingeschränkter Harmonie mit der Welt, im nächsten in tiefster Depression mit dem Wunsch nach Auflösung, nach Sterben; entweder himmelhoch jauchzend oder zu Tode betrübt.
Natürlich wollte ich nur in der angenehmen Erfahrung verweilen. So fing ich an danach zu suchen. Es war also nicht die Suche nach Wahrheit oder Erleuchtung, sondern nach dem uneingeschränkten Glück, nach dem Ende des Leidens. Ich suchte nach geeigneten Mitteln oder Werkzeugen in der Welt. Zuerst war es der Sex und daraus die Erfahrung, dass der sogenannte kleine Tod (Orgasmus) nur eine sehr flüchtige Erfüllung bedeutet und vom Partner abhängig, also keine Lösung ist.
Dann Erfahrungen mit Drogen, die kurzfristig einen Zustand der Leidfreiheit erzeugen können. Sobald aber die Wirkung nachlässt, ist da umso mehr Leiden. Zuwendung oder Liebe von Freunden, Familie und Partnern verloren ebenfalls ihre Bedeutung in dem Erkennen, das mein Befinden nichts mit ihrem Verhalten zu tun hatte, und das Problem sich so auch nicht lösen ließ.

Dann begann ich, esoterische Bücher zu lesen: alles über Religionen, Schamanen, Magie etc. Lange war ich fasziniert von Castaneda und Don Juan und dieser Idee von Freiheit.
Bis ich mir Ende der 70er Jahre im Traum spontan bewusst wurde, zu träumen. Ich erinnerte mich an diese Don Juan Technik, bei der man seine Hände betrachtet. Also hob ich meine Hände und fing an, sie zu untersuchen. Plötzlich wurde etwas wach in mir, was scheinbar geschlafen hatte, und in diesem Erwachen fingen erst meine Hände, dann der ganze Körper an, sich aufzulösen. Ich erkannte den Tod und in dem Erkennen tauchte plötzlich Angst a
uf. Also begann ich um mein Leben zu kämpfen, wie ich noch nie in meinem Leben um etwas gekämpft hatte. Eine unerklärliche Kraft war im Begriff, mich auszulöschen, wobei sie sich als unendliches schwarzes Nichts in der Wahrnehmung zeigte. Obwohl ich im Bett erwachte, hörte der Kampf nicht auf. Dann geschah die plötzliche Akzeptanz dieser Auflösung und aus dem vorher dunklen Nichts wurde gleißendes Licht und ich dieses Licht seiend. Ein in sich selbst leuchtendes Licht.
Nach einer Ewigkeit wurde langsam aus dem Licht wieder die normale Wahrnehmung von Karl und der Welt. Alles schien wie vor diesem Erlebnis, doch die Wahrnehmung hatte sich absolut gelöst von dem, was wahrgenommen wurde. Totale Distanz und Fremde zur Welt waren da.
"Dies ist nicht mein Zuhause," war der einzige Gedanke. Das MEIN verlor sich in der Ichlosigkeit.
Mit diesem Erwachen des kosmischen Bewusstseins hatte der Prozess der Auflösung des Konzeptes "Karl" begonnen. In diesem Gewahrsein der Falschheit der Erfahrungen und ihrer Traumhaftigkeit war es nur noch eine Frage der Zeit, bis die persönliche Geschichte und damit die Geschichte des gesamten Universums in diesem Feuer des Gewahrseins verbrannten.
Dieser Prozess vom "Individuellen zum Kosmischen Bewusstsein", vom Persönlichen zum Unpersönlichen Bewusstsein, der als Erleuchtung bezeichnet wird, ist immer einmalig, kann weder wiederholt noch nachgeahmt werden. So wie es nur ein absolutes Sein gibt, so ist jede Erfahrung absolut einmalig.
Lange Zeit war dieses unpersönliche Bewusstsein mein Zuhause, aus einem KO (Koma) war OK (Amok) geworden. Ich war ein wandelndes NICHTS. Absolut identifiziert mit diesem NICHTS.
Der Besitzer vom NICHTS. Das kleine Ich war sehr groß geworden, ein überdimensionales NICHTS. Wie der Hintergrund, der den Vordergrund als Illusion betrachtete. Eine Illusion betrachtete eine andere Illusion. Der sogenannte ZEUGE, die Weisheit, die sagt: ich bin NICHTS.
Es gab scheinbar etwas, das dieses "nicht sein" als Vorteil ansah, und somit war da auch eine unterschwellige Angst, diesen Vorteil der Klarheit zu verlieren. Bis Mitte der 90er Jahre, von jetzt auf jetzt, das absolute Erkennen geschah, die einfache Erkenntnis, wie ein kleines Aha: Ich bin das, was ist. Ich bin das, was nie etwas anderes sein kann oder war als das "Selbst". Das Selbst ist und nichts als das Selbst ist. In der Selbsterkenntnis oder der Realisation des "SELBST" ist absolute "Akzeptanz".
Das Absolute "IST" in der persönlichen wie in der unpersönlichen Erfahrung, es ist immer das Absolute Selbst, und es gab nie die Notwendigkeit von Erleuchtung. Das Selbst ist ewig realisiert und das was in der Realisation (Verwirklichung der Wirklichkeit) als Bewusstsein erscheint, wird sich nie realisieren. In diesem Sinne gab es nie einen Unerleuchteten und somit auch keine Notwendigkeit von Erleuchtung.



Hat sich irgendetwas in deinem Leben verändert seit der Entdeckung der Wahrheit?
Seit der Todeserfahrung ende der 70er, hat sich das Bewusstsein grundlegend verändert. Der gesamte Energiekörper ,jede Zelle ,war einem teilweise sehr schmerzhaftem Prozess unterworfen. Seit dem Tod des Besitzers ,ist jede Zelle in sich selbst erwacht. Doch was erwachen kann, kann auch wieder einschlafen ,nichts bleibt wie es ist. Also weder Vor- noch Nachteil. Sensationen in der Zeit.
Die grundlegende Erkenntnis war, dass es kein MEIN oder DEIN Leben gibt oder je gegeben hat,
dass das was wahrhaftig ist, weder lebt noch nicht lebt. Das was wir Leben nennen, verändert sich ständig. Der Traum und seine traumhaften Zustände sind scheinbar einem ständigen Wandel unterworfen, also verändert sich auch der im Traum erscheinende Körper und die ganz Welt.
Doch das, was ist, war schon immer und wird immer sein, in unendlichen Variationen, einer ewigen Realisation des "Realen". Ungestörter Frieden des Seins. Und ich bin das.

Hattest Du einen Lehrer? Ist es wichtig einen Lehrer /Guru zu haben?
Was ist die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler? Hast Du Schüler?
Nein, ich hatte nie einen persönlichen Lehrer. Damit das, was nicht in der Zeit ist, sich seiner selbst gewahr wird, ist nichts notwendig, das in der Zeit ist. Erwachen ist immer spontan, ohne Notwendigkeit. Man nennt es auch den göttlichen Unfall. Es erkennt sich nicht wegen, sondern trotz allem was kommt und gehen kann. Die Frage nach wichtig oder unwichtig erübrigt sich damit.
Das Selbst ist der einzige Meister, den ich kenne. Es realisiert sich sowohl im Verlieren als auch im Finden. Es ist gleichzeitig Lehrer und Schüler und gibt sich selbst immer absolute Lektionen.
Das Selbst zeigt sich selbst dem Selbst in seiner Allgegenwärtigkeit, im ewigen Jetzt.
Schüler und Lehrer bedingen sich gegenseitig, so wie auch Frage und Antwort. Aus der Wunschlosigkeit heraus erhebt sich in der Zeit ein Wunsch, und in seiner Erfüllung erlöst er sich selbst, so wie jede Frage durch eine Antwort Erlösung findet. Das ist das karmische Gesetz des Bewusstseins. Daher kein Lehrer und keine Schüler, nur Fragen und Antworten.


Ist so etwas wie "innere Arbeit/Entwicklung" nötig (z.B. mit den dunklen Seiten,
Programmen, Glaubenssätzen)? Manche Lehrer sagen, nein, denn wir sind schon frei, es gibt nichts zu tun. Was bedeutet das?
Um das zu sein, was du wirklich bist, braucht es keine Arbeit oder Entwicklung. Alle Konzepte von
Weg, Entwicklung und sogar Erkenntnis tauchen mit dem ersten Ich-Gedanken auf. Diese erste Idee kreiert die Zeit, den Raum und somit das gesamte Universum. Und solange dieser Ich-Gedanke real erscheint, was Trennung bedeutet (Zweiheit, Leiden), ist auch der Wunsch nach Einheit da und somit das Verlangen nach einem Ausweg, einem Ende des Leidens. Also bedingt diese erste ‚falsche' Idee des Ich alles Falsche, was danach folgt. Nur die Absolute Erkenntnis, vor dem Ich-Gedanken zu sein, das Falsche als falsch zu erkennen und damit die Wurzel aller Probleme zu entfernen, bedeutet das zu sein, was du bist. In dem du bist was du bist, oder besser wie du bist, absolut, vor allem und nichts, das ist die Zerstörung aller Konzepte.



Kannst du etwas über die Beziehung zwischen Mann und Frau sagen? Sie scheint so vielversprechend, beinhaltet aber soviel Schmerz. Gibt es irgendeine Möglichkeit
der wahrhaften Befreiung durch Beziehungen?
Die eigentliche Frage ist, ob es überhaupt jemanden gibt, der eine Beziehung hat und für den Befreiung notwendig ist. Jeder Wunsch nach Vereinigung (Einheit) entsteht aus der Idee von Trennung. Kann also etwas, das aus einer Lüge entstanden ist, zur Wahrheit führen? Kann das, was abhängig ist, von Natur aus tot, der Zeit unterworfen, dich zu dem machen, was du bist? Wo die Idee von Einheit auftaucht, gibt es Zweiheit, mit dem verbinden, wird getrennt, und alles kommt und geht mit etwas falschem, dem Ich. Also zurück zur Wurzel, der Frage, wem oder in was erscheint dieses Ich?


Hast du eine Lehre und wenn ja, welche?
Erkenne alles als Lüge, besonders den der alles als Lüge erkennt.


Warum führst du diese Gespräche?
Sie sind Teil oder Aspekt des Seins. Keiner spricht und keiner hört zu. Ohne Sinn und ohne Grund.
Auf die Frage nach dem Warum gibt es immer nur eine Antwort: "Warum nicht?"



Wie können wir die Lehre in unser tägliches Leben integrieren?
Das was ist bedarf keiner Integration, und das was nicht ist, wird nie integriert sein. Erkenne die vollkommene Verwirklichung der Wirklichkeit und sei, was du bist. Alles ist genau so wie es ist, weil das Sein sich so und nicht anders manifestiert hat.


Kannst du über den Tod reden, manche sagen "stirb bevor du stirbst"?
Der einzig mögliche Tod ist der Tod des Ego (die Idee der Trennung). Die Frage ist: wie kann etwas sterben, das nicht existiert? Wie kann das, was Erscheinung ist und sich nur in der Wahrnehmung, als Sensation zeigt, sterben? Durch was kann die Lüge des Getrenntseins verschwinden? Für Wen oder Was muss das gehen, was nicht ist? Nur in der absoluten Selbsterkenntnis, das zu sein was ist , untrennbar , die Wahrheit und nichts als die Wahrheit, das Selbst und nichts als das Selbst.
Die Wahrheit sich in der Wahrnehmung nur selbst wahrnimmt ,wo einzig das ist was du bist, der Traum und der Träumer eins sind im Absolutem.
Für das Absolute muss nichts gehen, denn das Absolute ist die einzige Realität. Indem das Ego als flüchtiger Schatten im ewigen Jetzt erkannt wird, hat es keine Realität mehr.